LETZTE WORTE

Große Gefühle

WORTKUNDE Wenn etwas nervte, dann dieses Reporter-Wort: „Gänsehaut-Feeling“

Natürlich gibt es Modeworte auch im Sport. Und ein klein wenig Mitleid haben die Reporter verdient, die stundenlang von bewegenden Wettkämpfen berichten müssen und immer neue Metaphern brauchen. Aber „Gänsehaut-Feeling“ gehörte bei diesen Spielen zu den dümmsten Phrasen. Ein Ausdruck, der sich virengleich in den Köpfen der Journalisten festsetzte, sobald er in der Welt war, um von dort aus auch die Hirne der Athleten zu verseuchen.

Die Sportlerinnen und Sportler sprachen dann bei der Eröffnungsfeier, beim Abspielen der Nationalhymne und natürlich auch bei der Abschlussfeier vom – Gänsehaut-Feeling, wenn ihnen für eine andere Beschreibung ihrer Gefühle der Wortschatz fehlte. Ihnen ist daraus keinerlei Vorwurf zu machen, die Sprache ist nicht ihr Metier. Und warum, verflixt, müssen wir überhaupt dauernd über Gefühle reden?

Sicher, es ist der in Super-Slow-Motion aufgezeichnete Ausdruck der großen Gefühle, der Freude und der Trauer, der Sport zu etwas macht, was uns berührt und sich in unser Gedächtnis einstanzt. Aber die Frage bleibt doch: Wie zeigen eigentlich Gänse ihre Erregung?

PHILIPP GESSLER