wie machen sie das?

Der Butler im Adlon

Ricardo Dürner ist Butler im Hotel Adlon Kempinski in Berlin. Die Gäste duzen ihn, er bindet ihre Fliegen.

taz am wochenende: Herr Dürner, als Butler bleiben Sie stets im Hintergrund, der Gast soll Sie nicht bemer­ken. Wie machen Sie das?

Ricardo Dürner: Ich muss eine Balance finden, wie nah oder fern ich dem Gast sein darf, damit er sich wohl fühlt. Manche mögen mehr Distanz, manche mögen es, wenn ich nah dran bin. Ich bin seit 21 Jahren im Adlon. Dafür habe ich ein Gefühl entwickelt.

Was bedeutet es für Sie, andere zu bedienen?

Es ist mir ein inneres Bedürfnis. Ich mag es, Menschen zu betreuen, ihnen die Wünsche von den Augen abzulesen. Dienen bedeutet für mich, dass ich für jemanden zuständig bin und ihm das Gefühl gebe, zu Hause zu sein. Wenn der Gast sagt, er hat sich wohl gefühlt, habe ich meine Aufgabe richtig gemacht.

Was für Wünsche erfüllen Sie?

Ich serviere Kaffee, filetiere Fisch, putze Schuhe. Ich passe mich den Wünschen an. Manchmal muss ich spontan für einen Dolmetscher einspringen. Einmal musste ich einen Frisörsessel besorgen, weil der Gast morgens von seinem persönlichen Barbier rasiert wurde. Ein anderes Mal hielt ein Gast anderswo eine Rede. Ich sollte zu dem Veranstaltungsort fahren und ihm den Weg zum Rednerpult abfotografieren.

Dachten Sie schon mal: „Das ist aber dekadent“?

Nein. Ich wurde auch nie herablassend behandelt. Wünsche sind Wünsche. Manche mögen keine Federbetten, manche möchten einen Frisörstuhl. Die Gäste, die ich betreue, zahlen zwischen 23.000 und 26.000 Euro die Nacht.

Kennt man einige Gäste, die Sie schon betreut haben?

Diskretion ist eines der höchsten Güter. Ich werde niemals darüber sprechen, welchen Gästen ich diene. Aber hier gab es natürlich Gäste, über die berichtet wurde: Michael Jackson, Königin Elisabeth, Gorbatschow, der Dalai Lama.

Gehört Ihr Beruf nicht ins 19. Jahrhundert?

Das war die große Zeit der Butler. Wir merken hier in Berlin aber, dass Botschaften, größere Villen oder Herrenhäuser Butler haben. Manchmal heißen die dann anders. Personal Assistant oder so. Nach meinem Gefühl werden es mehr.

Manche Butler bleiben lange in einem Haushalt. Wieso sind Sie im Hotel?

Ich mag es, mich auf die verschiedenen Gäste einzustellen. Hotelbutler ist für mich der größere Reiz. Ich wurde schon gefragt, ob ich in Haushalte wechseln möchte. Ich sagte immer ab.

Wenn ein Gast Sie bitten würde, einen Drink mit ihm zu genießen, würden Sie?

Ich kann während der Arbeit nicht trinken. Das wäre eine heikle Situation. Ich müsste ihm diesen Wunsch abschlagen.

Interview: Clemens Sarholz