wie machen sie das?

Der Radreisende

Wolfram Röhrborn, 37, Landschaftsökologe, fährt gern Rad, zum Beispiel von Berlin nach Kaifeng (China) oder von Seattle (USA) nach Bariloche (Argentinien).

taz am wochenende: Herr Röhrborn, Sie sind in einem Jahr von den USA nach Argentinien geradelt. Wie haben Sie das gemacht?

Wolfram Röhrborn: Ich habe mich halt aufs Rad geschwungen und bin einfach immer weitergefahren. Einen genauen Plan, welche Länder ich durchqueren möchte, hatte ich nicht. Argentinien war das Ziel.

Tut einem nicht irgendwann der Hintern weh, wenn man jeden Tag auf dem Rad sitzt?

Der Hintern nicht. Aber die Beine! Und die Knie, die Achillesferse und ganz besonders die Waden.

Ist auf der Fahrt auch mal etwas schiefgelaufen?

Oh ja! Aus Mexiko wurde ich ausgewiesen, weil ich die Grenze ohne Stempel passiert hatte. Ich war schon fast in Cancun, wo ich meine Freundin über Weihnachten und Silvester treffen wollte, als mein Pass kontrolliert wurde. Dann haben sie mich für zwei Wochen in den Abschiebeknast gesteckt und nach Deutschland ausgeflogen. Lufthansa, Premium Economy. Meine Freundin konnte ich blöderweise telefonisch nicht erreichen, so haben wir dann getrennt „gefeiert“. Ich bin kurze Zeit später wieder nach Mexiko geflogen und habe meine Fahrt dort fortgesetzt.

Und Unfälle?

Auch das ist passiert, ebenfalls in Mexiko. Einmal hatte ich einen Blackout, und als ich wieder aufwachte, standen Leute über mich gebeugt und tuschelten besorgt. Das Fahrrad lag kaputt am Straßenrand, ich kam mit Gehirnerschütterung und gebrochenen Rippen ins Krankenhaus. Anscheinend war ich aus der Kurve geflogen. Ansonsten hatte ich nur zweimal einen Platten.

Was waren die Highlights auf der Reise?

Die Landschaft natürlich und das Radeln an sich, die Freiheit, die Ungebundenheit. Und was für geile Freaks man trifft. Unglaublich. In anderen Ländern ist die Freak­dichte gefühlt immer größer, weil die Menschen ja so schon ganz anders sind, als man es gewohnt ist.

Interessante Theorie.

Bei einigen von denen habe ich auch übernachtet. Bei meiner ersten Reise nach China habe ich zum Beispiel bei einem Typen übernachtet, der den asiatischen Champion im Hahnenkampf gezüchtet hat. Er war Alkoholiker und wollte ständig mit mir trinken. Überhaupt wollen die Leute immer ganz viel mit einem reden oder einen irgendwohin mitnehmen. In manchen Ländern hat sich das Konzept Fahrrad noch nicht besonders durchgesetzt. Viele dachten, ich sei verrückt.

Und was haben Sie als Erstes gemacht, als sie aus Argentinien nach Berlin zurückgekehrt sind?

Meine Freunde umarmt und einen Döner gegessen.

Interview: Boris Messing