Esther Slevogt
betrachtet das Treiben
auf Berlins Bühnen

Die Geschichte klingt gegenwärtig und doch ist sie ein Märchen: Drei mächtige Geister bestimmen das Geschick der Menschen in einer mythischen Welt, die ab 26. Oktober im Atze Musiktheater entstehen wird, das damit die größte und ehrgeizigste Produktion seines Bestehens angekündigt hat.

Der schlimmste dieser Geister ist Draco, der nur Hass und Zwietracht sät, Menschen das Fragen verbietet, weil er selber dauernd lügt. Als die Welt schon fast verloren scheint, erscheint das Mädchen Albirea und nimmt den Kampf gegen Draco und das drohende Unheil auf. Klar, dass die Heldin Albirea auch diesem Singspiel den Titel gibt. Thomas Sutter, Theaterautor, Regisseur, Musiker und langjähriger Leiter des Atze Musiktheaters, hat gemeinsam mit der preisgekrönten Komponistin Sinem Altan, 23 Schauspieler*innen und einem Kammerorchester an den Fragen unserer Zeit entlang einen ehrgeizigen wie spektakulären Musiktheaterabend für junges Publikum entwickelt. Das Fantasy-Singspiel „Albirea“ wird in einem maßgeblich von Marc Jungreithmeier gestalteten virtuellen Bühnenbild aufgeführt.

Viele Schauplätze der Inszenierung entstehen am Computer in einer dreidimensionalen Umgebung. Im speziellen Verfahren des 3-D-Videomappings sind die Übergänge zwischen realem und virtuellem Bühnenbild fließend. So sind die Dar­­steller*innen nicht nur auf der Bühne präsent, sondern auch Teil der virtuellen Welt. (Atze Musiktheater: „Albirea“, Premiere am 26. 10., 16 Uhr. Alle Infos unter: www.atzeberlin.de)

Mit Symptomen der widersprüchlichen Zeit, in der wir gerade leben, befasst sich dieser Woche auch die Schaubude, Berlins berühmte Bühne für Figuren und Objekttheater, wo seit dem 23. 10. das Festival der Dinge läuft. Unter der Überschrift „Kaputt“ setzt es sich in diesem Jahr mit destruktiven und produktiven Zerstörungsprozessen auseinander. Denn wenn etwas kaputtgeht, dann geht nicht nur etwas kaputt. Es entsteht auch Raum für Neues. Insofern kann der Epochenwechsel, in dem wir gerade leben, mit dem Wort „Kaputt“ ganz gut beschrieben werden. Dabei ist es eben wichtig, dessen utopisches Potenzial mitzudenken. „Kaputt, die Werkstatt der Zerstörung“ heißt eine zentrale Festivalproduktion also, die uns für die ­Dialektik des Begriffs sensibilisieren will. Insgesamt gibt es Gastspiele aus den Niederlanden, der Schweiz, aus Großbritannien, Frankreich, Kanada, Kroatien, Litauen, Katalonien, Norwegen, Tschechien und Deutschland, die an fünf Spielorten in Berlin zu sehen sein werden (Schaubude: „Festival der Dinge“, bis 29. 10. Alle Infos: www.schaubude.berlin).