aufgesaugt

Die Poesie der Blätter

Ode an den … Nein, nicht den Herbst. Den haben andere besser besungen. Aber es folgt doch eine Liebeserklärung. Wenn nämlich die Sonne sich rar macht, munter der Wind den Rotklinker umwirbelt und der Nieselregen noch etwas weiter abkühlt, dann schlägt die Stunde der Stadtreinigung. Genauer: die Stunde der dortigen Pressestelle. Noch genauer: der dort Dienst tuenden Poeten.

Denn wie überschrieb der städtische Entsorgungsbetrieb dieser Tage den Hinweis darauf, dass nun wieder herabfallendes Blattwerk Teil seiner Aufgaben ist? So: „Die Laubbuben sind los“, kein Witz. Im Weiteren macht man mobil für die kommende „Laubschlacht“, in die „mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ ziehen. Und was machen die da? Sie „pusten, fegen und saugen“ Blätter – „manuell und mit Maschinen“.

Während wir noch darüber nachdenken, ob sie nur das Fegen mit der Hand erledigen oder auch alles andere (und wie das dann aussehen mag), drängt sich die, Pardon, Kehrseite des so farbenfroh Beschriebenen in die Wahrnehmung: Die erwähnten Maschinen, das sind zuallererst „216 Elektro-Blasgeräte“. Und als wüssten sie bei der Stadtreinigung selbst ums Image dieser Apparate, liefern sie eine bezeichnende Beschwichtigung mit: Demnach knattern und röhren die Dinger in der „Lautstärke einer Hauptverkehrsstraße“ – das falle dann ja „nicht mehr auf“. Was besonders diejenigen unter den Leser*innen beglücken wird, die gerade nicht an so einer „Hauptverkehrsstraße“ leben.

Nun wollen wir nicht verlangen, das alles mit der Hand zu erledigen, also: dem Besen. Wir sind hier ja nicht bei Manufactum. Und dass es auch keine Option ist, die abgeworfene Biomasse einfach vor sich hin rotten zu lassen, das zeigt sich beim nächsten Starkregenereignis (und die werden ja auch immer mehr): Kaum liegen irgendwo drei Blätter, staut sich alles.

Würde man übrigens alles anfallende Laub in Standard-Mülltonnen tun und diese nebeneinanderstellen: Es würde reichen von Hamburg bis nach Hannover. Auch für solche Visualisierung muss man sie einfach lieben, die Poeten von der Pressestelle. Und sich schon freuen auf den Winter – und den ersten Schnee. Und was der so alles aus ihnen herauskitzelt. Alexander Diehl