Das kommt auch

Der Verlust der Nordsee

„Wir gehen hier nicht einfach so vom Platz“

Moritz Steinberger, NGG

Kommende Woche wollen die Nordsee-MitarbeiterInnen in Bremerhaven protestieren: Am Dienstag treffen sich Betriebsrat und Vertreter der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) mit Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD), um sich möglichst bedingungslose Solidarität und Beistand beim Abwehrkampf gegen den neuen Inhaber zusichern zu lassen. Da wollen große Teile der 120-köpfigen Belegschaft vorm Rathaus stehen, mit Transparenten und Trillerpfeifen.

Am Mittwoch wird man damit vors eigene Hauptgebäude ziehen, denn dort haben sich die örtliche Geschäftsführung mit den CEOs der Kharis Capital AG aus Zug verabredet, um Einzelheiten der Standortabwicklung zu bekakeln. Beim Schweizer Investment-Unternehmen war die traditionsreiche Fisch-Fastfood-Kette im Jahr 2018 gelandet, nachdem sie 2005 vom Düsseldorfer Bäckerunternehmer Kamps gekauft und dann von und mit ihm zu Müllermilch ins Allgäu und wieder zurück gewechselt war.

Momentan werden die Schnellrestaurants von Bremerhaven und Düsseldorf zu gleichen Teilen administrativ betreut, nun soll die Verwaltung an einem bislang noch nicht benannten Ort zusammengezogen werden: Angeblich aus Kostengründen, was überrascht, weil das neue Hauptgebäude noch nicht abgeschrieben sein kann und die Immobilienpreise in Bremerhaven dauerhaft niedrig liegen. Plausibler ist die Angabe, dass es zu schwer falle, kompetentes Personal für einen Umzug in die verarmte Stadt zu begeistern. „Wir gehen hier nicht einfach so vom Platz“, hatte NGG-Sekretär Moritz Steinberger vergangene Woche das Fazit einer Betriebsversammlung auf den Punkt gebracht, aber zugleich eingeräumt, dass es „natürlich“ an den „Entscheidungen des Arbeitgebers“ liege. „Da machen wir uns keine Illusionen.“

Die Deutsche Dampf­fischerei-Gesellschaft Nordsee war 1896 vom Bremer Reeder Adolf Vinnen initiiert und zusammen mit anderen Kaufleuten gegründet worden. Ziel war es zunächst, im Hafen, wenig später auch in Bremen und im Binnenland, Fisch direkt zu vermarkten. Vor dem Ersten Weltkrieg unterhielt das Unternehmen die größte Fischfangflotte der Welt. Benno Schirrmeister