Esther Slevogt
betrachtet das Treiben
auf Berlins Bühnen

Sieben junge Männer machen Tiere nach. Sie tragen dabei Kostüme von beinahe zärtlicher Albernheit und tanzen mit täppischer Poesie über die Bühne zu Minimal-Musik von Simon Geuchen. Die Folge von Miniszenen mit verschiedenen Tieren, darunter auch wilde Esel, Hähne und Hühner, erinnert ein wenig an die berühmte Suite „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Auch sie ist in Minisätze aufgeteilt und die Instrumente eines Kammerorchesters empfinden darin jeweils den Duktus bestimmter Tiere nach. Und so geht es nun auch bei den Performern der Gruppe Ther­moboy FK. Doch mit ihren ironisch unterwanderten Tierporträts wollen sie eigentlich das Männerbild unterwandern und man schaut ihnen dabei höchst amüsiert gerne zu. Ihr neuer Abend kommt jetzt im Theaterdiscounter heraus. (Theaterdiscounter: „Karneval der Tiere“, 10.–12. 10., jeweils 20 Uhr).

Um Männerbilder im Wandel geht es im weitesten Sinn auch im Roman Don Quijote von Cervantes, der am Ende der Ritterzeit spielt – jener Epoche heldischer Kämpfe und Kämpen, die mit Schwertern und Rüstungen noch ganz analog aufeinander losgingen. Gleichzeitig markiert das Buch den Beginn der Moderne: in der nämlich die Welt von keiner göttlichen Idee mehr zusammengehalten wird und deswegen die Prosa hier diese zusammenhaltende Funktion nun übernimmt. Und die Fantasie von Don Quijote“, der schon kein echter Ritter mehr ist, der reale Kämpfe kämpft, sondern ein Künstler, der nur noch in seiner Fantasie lebt und in Windmühlen gefährliche Feinde zu erkennen meint. Im Deutschen Theater hat nun Jan Bosse (auf der Basis eines Texts von Jakob Nolte) diesen berühmten Stoff auf die Bühne gebracht. Und zwar mit keinem Geringerem als Ulrich Matthes als Ritter von der traurigen Gestalt. Als Sancho Pansa reitet Wolfram Koch an seiner Seite (Deutsches Theater, Premiere: 12. 10., 19.30 Uhr.)

Auch in Amphitryon ist nicht alles, wie es scheint. Im Zentrum steht ein Gott, der einmal wie ein Mensch fühlen und lieben will und deswegen die Gestalt des Feldherren Amphitryon annimmt und dessen Frau Alkmene verführt. Diese Geschichte von den Menschen und ihrer Fähigkeit zu fühlen, um die sie sogar die Götter beneiden, haben sowohl Molière als auch Heinrich von Kleist dramatisch verarbeitet. Nun hat sich Herbert Fritsch in der Schaubühne dieses raffinierte Spiel um Sein und Schein vorgenommen, um es existenziell durchzuschütteln und durch den Schredder seiner rasenden Komik zu jagen. Ist jeder am Ende nur eine schlechte Kopie seiner selbst? (Schaubühne: „Amphitryon“, 13.–15. 10, jeweils 20 Uhr).