das portrait

Ammar Abduliabbar will zur Olympiade

Mit neun Jahren arbeitete Ammar Abduliabbar, um seine Familie zu ernähren, jetzt boxt er für DeutschlandFoto: privat

Mit 15 Jahren begann der Hamburger Ammar Abduliabbar mit dem Boxen, fast genauso lange lebt er in Deutschland. Seit ein paar Wochen erst ist er in der Nationalmannschaft, vorher betrieb er seinen eigenen Imbisswagen. Die Amateurbox-Weltmeisterschaft, die bis Samstag in Jekaterinburg ausgetragen wurde, war damit sein erstes internationales Turnier. Während Abduliabbar sich zum Auftakt in der Klasse bis 91 Kilogramm gegen den Südkoreaner Taeung Ju mit 4:1 durchsetzen konnte, unterlag er dem Jordanier Hussein Iashaish dann im Achtelfinale deutlich mit 0:5.

Zum Boxsport brachte den 23-Jährigen sein Vater. Zu Beginn boxte Abduliabbar vor allem für ihn. Als er aus dem Irak hierher kam, waren die vielen Möglichkeiten neu für ihn. Im Boxen sah er Hoffnung, aus dieser Unwissenheit herauszukommen.

Der Nachwuchsboxer sieht sich selbst als Außenseiter, er trat bei der Box-WM im Ergänzungskader an und bekommt bisher keine finanzielle Unterstützung. Dass er es trotzdem so weit geschafft hat, verdankt er seinem harten Training: Zehn bis fünfzehn Mal pro Woche ist er in der Halle und gibt alles, sein Ziel ist Olympia.

In seinem Heimatverein, der Sportvereinigung der Polizei Hamburg, fühlt er sich wie ein Familienmitglied. Sonst ist er viel mit seinen Freunden unterwegs, sie gehen schwimmen oder spielen Poker. Daneben gibt ihm seine Familie – seine Eltern und seine zwei Geschwister – viel Kraft. „Ich bin sehr dankbar für die viele Unterstützung in meinem Leben“, sagt Abduliabbar.

Vor jedem Kampf ist er nur für sich allein und bereitet sich mental auf drei Kämpfe vor: gegen den Gegner, gegen sich selbst und gegen die Halle. Kurz davor sei er zwar immer noch nervös, in der Arena selbst aber nicht mehr: „Ich boxe jeden Kampf, ohne darüber nachzudenken, was kommt“, sagt Abduliabbar.

Für seinen Lebenssinn gibt er auf: Geburtstage und Hochzeiten von geliebten Menschen, an denen er nicht teilnehmen kann. Aber er weiß warum: „Boxen macht mich vollständig“, sagt Abduliabbar. Katharina Gebauer