Thomas Mauch
hört auf den Sound der Stadt

Wenn man die Sache mal etwas höher hängen will, mag man sie ruhig mit den Beatles vergleichen. Was ihre Bedeutung betrifft. Ist halt nur so, dass bei diesem Ensemble nicht ganz so viele Menschen zugehört haben wie bei den Fab Four. Wie die den Pop erst formten, weiß man. AMM aber arbeiten hart am Rand des Musikgeschäfts, da, wo keine Hits mehr abfallen, weil es die entsprechenden Hitparaden in diesem Metier eben nicht gibt: die vom Geräusch und dem Klang her gehörte Improvisationsmusik. AMM haben das Metier entscheidend mitbegründet.

Sagen wir ruhig also mal: AMM sind die Beatles der Impromusik. Die macht man bei dem Ensemble nun seit Mitte der sechziger Jahre, und man sollte sie sich nicht unbedingt wie ein Beatles-Lied vorstellen. Da gibt es keine Melodien zum Mitpfeifen, nichts zum Mitschnippen. Eher ist eine Enthierarchisierung der Musik das Ziel bei AMM. Prinzipiell können alle Geräusche und Klänge mit gleicher Wertigkeit ein Plätzchen im Gesamtgefüge finden, bei diesen fragilen, nun ja, musikalischen Zuständen, die sich unentwegt ändern und sich auch ändern sollen, damit sich gar nicht erst etwas verfestigt und die Musik sich stets einer auch nur momentanen Zuschreibung entzieht. Sie soll einfach Geräusch und Musik bleiben mit den je unterschiedlichen Intensitäten und Spannungen. Und in diesem Sinn ist es schon eine Freiheit, nach der bei AMM gesucht wird, als „Freiheit von“. Frei von irgendwelchen Aufladungen der Musik, die vor allem nicht in dem zeitgleich entwickelten Wir-müssen-uns-erst-frei-spielen-Gestus vom Free Jazz daherkommt (der schon auch mächtig Spaß machen kann).

Wobei schon auch die AMM-Musik ekstatische Momente kennt und die kathartischen, Gefühligkeiten klärend – weil Musik halt immer irgendwelche Gefühle triggert. Auch die, die sich aus Geräuschen schöpft. Am Sonntag darf man das bei einem der eher raren AMM-Konzerte erleben, im Exploratorium, wo das Ensemble mit Eddie Prévost, Keith Rowe und John Tilbury sozusagen in seiner Bestbesetzung antritt (Mehringdamm 55, 20 Uhr, 15/12 €).

Eine mehr ritualisierte, übersichtlicher strukturierte Geräuschmusik: Der grimmige, stoische, polternde und zwischendurch ins Pathetische greifende Postrock von Living Under Drones hat einen besonderen Krautrock-Twist. Die Band kommt aus Griechenland und spielt am Samstag neben weiteren Noise-vertrauten Bands im Schokoladen (Ackerstr. 169, 20 Uhr).

Und natürlich das am Freitag startende Musikfest, weil es manchmal ruhig auch klassisch orchestral sein darf.