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Verdammt engagiert

Wahlkampf, das ist immer auch die Zeit der Sp√§√üe, die mal mehr, mal weniger gelingen. So stellte die Partei Die Partei am Mittwoch ein Plakat in Dresden auf, darauf ein auf Wolken gebetteter CDU-Ministerpr√§sident, √ľber ihm schweben seine Vorg√§nger im Ministerpr√§sidentenamt und Bundeskanzlerin Merkel, sie wachen vom Himmel aus √ľber ihn. Die Partei teilt dazu mit, weil ja nun die Macht√ľbernahme der AfD drohe, w√ľnschten sie ihrem Feind ein besseres Ergebnis, ‚Äěals zu erwarten ist‚Äú. Michael Kretschmer ist auf dem Plakat nackt.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Christian Hartmann, ver√∂ffentlichte unterdessen seinen pers√∂nlichen Wahlwerbespot. Darin verkleidet er sich als Hutb√ľrger, als derjenige Pegida-Demonstrant mit schwarz-rot-goldenem H√ľtchen also, der sich mit einem Kamerateam anlegte; Hartmann vermummt sich wie Linke im schwarzen Block und ballt die Faust. Er mimt den Klimak√§mpfer, der aufgibt. Und sagt dann: Er stehe f√ľr eine Politik mit dem notwendigen Humor.

Ernster nehmen es die zivilgesellschaftlichen Gruppen. T√§glich erreichen uns Zuschriften von √ľberall in Sachsen: gro√üe Initiativen und kleine Vorhaben, auf dem Land oder in der Gro√üstadt. Wir bekamen Post von einer Initiative, die sich an russischsprachige W√§hlerInnen wendet; ein Medienprojekt namens ‚ÄěVeto‚Äú, das Portr√§ts mutiger Sachsen sammelt; ein B√ľndnis aus √ľber 50 Organisationen schickte uns ihren ‚ÄěWahlkompass Antidiskriminierung‚Äú. Die Initiative ‚ÄěLove-Storm‚Äú gegen Hass im Netz lud uns ein. Und wir erfahren von Festen, Demonstrationen, Festivals.

Es sind so viele Initiativen, dass wir sie unmöglich alle besuchen können, obwohl unsere ReporterInnen tagtäglich unterwegs sind. Es sind so viele, dass dieser Wahlkampf in Sachsen schon jetzt eines zeigt: Dieses Bundesland kämpft verdammt engagiert um sich selbst.

Oft f√§ngt so ein Engagement im ganz Kleinen an, in Sachsen wie in Th√ľringen und Brandenburg. Im Fall von Sekine Fl√§mig in einer Kleiderkammer in der brandenburgischen Stadt in Prenzlau. Heute ist die geb√ľrtige Albanerin dort ehrenamtliche Ausl√§nderbeauftragte. Stefan Reinecke hat sie f√ľr unsere Portr√§tserie ‚ÄěUnter Leuten‚Äú getroffen (siehe Inland Seite 6).

Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg verfolgt die taz bis zum 3. September mit einer Redaktion in Dresden. Alle Texte: taz.de/tazost

Christina Schmidt