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Die Eleganz von der Leyens und die Rolle der SPD: Stimmen aus Europa

Die Londoner „Times“ schreibt zur Wahl von der Leyens:

„In ihrer Amtszeit an der Spitze der EU-Kommission wird es nicht um großartige französisch-deutsche Projekte der Vergangenheit wie den Euro gehen, sondern darum, die Reihen geschlossen zu halten, während eine zerstrittene EU mit Herausforderungen wie Russland, China und der Präsidentschaft von Donald Trump konfrontiert ist. Die Tatsache, dass [von der Leyen] von Angela Merkel und Emmanuel Macron installiert wurde, dürfte kaum ein Quell der Stärke sein, sondern eher das Gegenteil. Es gibt echte Zweifel, ob sie […] nicht einfach nur eine Marionette des französischen Präsidenten und der deutschen Kanzlerin sein wird, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist.“

In der linksliberalen Tageszeitung „Prav­da“ aus der Slowakei heißt es dazu: „Das knappe Wahlergebnis für Ursula von der Leyen kann zwar signalisieren, dass ihre Position nicht stark sein wird. Mehr aber ist es eine Botschaft an den Europäischen Rat, dass vielen Abgeordneten die Form der Auswahl nicht gefallen hat. […] Ursula von der Leyen ist nämlich gar keine so schlechte Wahl. Zwar hat sie keine Erfahrung mit dem Führen einer Regierung, dafür kennt sie sich gut in den internationalen Beziehungen aus und ist vor allem eine überzeugte Europäerin. Für manche sogar zu überzeugt, denn sie würde den Prozess der europäischen Einigung am liebsten bis hin zu den Vereinigten Staaten von Europa durchziehen.“

Die linksgerichtete französische „Libération“ schreibt über Ursula von der Leyens Rede:

„Man muss sagen, dass der Kontrast zwischen dieser energischen Frau von 60 Jahren und ihrem Vorgänger, dem nur drei Jahre älteren Premierminister Luxemburgs, auffallend war: So sehr Jean-Claude Juncker abgeklärt schien, vorzeitig gealtert, verbraucht, niemals vor einer ein wenig apokalyptischen Ansprache zurückschreckend (‚die Kommission der letzten Chance‘, so sein Mantra), so sehr hat sich Ursula von der Leyen in makelloser Eleganz voll von Energie gezeigt, erfrischend, die Phrasendrescherei vermeidend, die so oft das Merkmal europäischer Funktionäre ist.“

Die italienische Zeitung „La Repubblica“ beschäftigt sich mit der Rolle der SPD bei der Wahl:

„Traurig, einsam und final. Das, was für die SPD ein wilder und trotziger Schützengraben sein sollte – die Weigerung, für Ursula von der Leyen zu stimmen –, hat sich erneut in einen Abgrund verwandelt, in den sich eine Partei in totaler Konfusion mit dem Kopf voran gestürzt hat. Damit riskiert sie in Berlin eine schwerwiegende Regierungskrise. Weil sie keine Spitzenkandidatin war, haben die 16 neugewählten SPD-Parlamentarier in Straßburg ihr Nein für VDL angekündigt. Die Anzeichen des Sturms ignorierend, die sich auf den Bänken neben ihnen zusammengebraut hatten.“ dpa, taz