heute in hamburg

„Mach dich glücklich, beweg dich“

Foto: privat

Guy Marsan, 35, arbeitet an verschiedenen Versionen seiner selbst.

Interview Katharina Gebauer

taz: Herr Marsan, kann man Burn-out einfach wegtanzen?

Guy Marsan: Es ist sehr gemischt, wir spielen das nicht durchgehend, es kommt auch darauf an, was sich anbietet. Es kann auch ein Raum werden, in dem jemand seine Sorgen einfach fallen lassen und mit Bier oder Wein entspannen kann.

Was wird heute Abend genau passieren?

Wir wollen eine Art Burn-out-Workout realisieren, nach dem Motto: Mach dich glücklich, beweg dich! Kopf hoch, alles wir besser. Wir spielen zwischen einer übertriebenen Form und Authentizität. Für die Entwicklung der übertriebenen Figuren ließen wir uns von den Tiefen der Absurdität inspirieren. Es gibt eine sehr groteske Form und im Kontrast steht dann der Einfluss unseres Privaten. Wir ließen uns von persönlichen Erfahrungen beeinflussen. Es kann alles erwartet werden.

Werden die Teilnehmenden mit einbezogen?

Wir bauen interaktive Elemente mit ein, aber niemand braucht sich davon abschrecken zu lassen. Es ist sehr frei, wie sehr sich am Happening beteiligt wird.

Wie kam es zu der Idee?

Wir haben künstlerisch erarbeitet, welche Bedingungen dazu führen, dass man sich so erschöpft fühlt und damit, wie die Krankheit Burn-out gesellschaftlich anerkannt ist und gesehen wird.

Ist es denn eine richtige Krankheit?

Die Weltgesundheitsorganisation erkennt Burn-out seit Neuestem als Krankheit an. Die neue Klassifikationsliste soll im Januar 2022 in Kraft treten.

Burn-out-Happening „Oh, das stresst mich wahnsinnig!“ mit Vera Jessen und Guy Marsan: 19 Uhr, Fleetstreet Theater, Admiralitätstraße 71, Eintritt gegen Spende

Wie wird Burn-out definiert?

Das ist noch ein Knackpunkt: Burn-out wird nur als Arbeitserkrankung gesehen. Aus eigener Erfahrung finde ich es schwierig, das Private vom Arbeitsleben zu trennen.

Wie entsteht Burn-out bei einem Betroffenen?

Ein Hauptsymptom ist das Gefühl von Erschöpfung als Reaktion auf andauernden Stress und Überlastung. Hinzu kommen Ursachen wie ständige Erreichbarkeit und Leistungsdruck von allen Seiten. Ein Burn-out kann aber auch durch fehlenden Einfluss oder durch zu wenig Arbeit entstehen, was zur Leistungsunzufriedenheit führen kann. Das Resultat ist: kein Bock auf den Job mehr.