petition der woche

„Hamburg, meine Perle“ soll weiter erklingen

Anlass der Petition

Der HSV-­Vorstand will die Stadionhymne abschaffen.

Das wollen die Initiatoren

Lotto King Karl soll die Hymne weiterhin im Stadion singen.

Das wollen sie nicht

Die Zweit­klassigkeit des HSV.

Die letzten 14 Jahre lief es vor jedem Heimspiel der Fußballprofis des Hamburger Sportvereins (HSV) gleich: Auf einer Hebebühne fuhr Lotto King Karl zusammen mit seinem Kollegen Carsten Pape vor der Nordtribüne hoch. Mit Gitarre in der Hand schmetterten die beiden die HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“. Und im ganzen Stadion reckten die Zuschauer*innen die HSV-Schals in die Höhe.

Doch dieses Bild gehört der Vergangenheit an. Anfang Juli gab der Vorstand der Fußball AG bekannt, dass es keine Inszenierung von „Hamburg, meine Perle“ mehr geben werde. „Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Lied, das uns viele Jahre begleitet hat, in der aktuellen Situation überhaupt nicht mehr zum HSV und zu unserer Haltung passt“, so Vorstandschef Bernd Hoffmann.

Die Argumentation ist nicht ganz neu. Schon Mitte Juni forderte der Abteilungsleiter des HSV Supporters Club, einer Fanorganisation mit über 58.000 Mitgliedern, dass die bisherige Hymne einem etwas realistischeren Lied über den HSV weichen solle. Das Problem: In Lottos Lied wird über Auswärtsspiele bei Juventus Turin oder in Rom gesungen. Und für den Erzfeind Werder Bremen gibt es im Volksparkstadion angeblich nichts zu holen. Tatsächlich liegen die Zeiten, in denen der HSV international spielte, schon lange zurück. Und Werder Bremen kommt höchstens noch im Pokal zu Besuch. Die spielen nämlich in der ersten Liga und der HSV in der kommenden Saison schon zum zweiten Mal zweitklassig.

Trotzdem wollen manche HSV-Anhänger*innen an der Hymne festhalten. Ein Fan startete unter dem Motto „Hamburg meine Perle – Traditionshymne“ eine Onlinepetition für den Erhalt der Stadionshow. Die Begründung: „Traditionen lassen unsere Herzen aufblühen und verbinden uns!“ Das Lied sei, so wie Sänger und HSV-Fan Lotto King Karl, eine Tradition. Diese dürfe man nicht so einfach abschaffen, weil ein Umbruch stattfinden soll. „Alles lassen wir uns nicht wegnehmen!“, schreibt der Petent.

Tatsächlich ist nicht ganz abzustreiten, dass der HSV-Fan in den vergangenen Jahren viel zu ertragen hatte. Manch einer benutzte sogar das Wort Trauma.

Lange war der HSV der selbsternannte Bundesligadino: Der einzige Gründungsverein der Ersten Bundesliga, der nie abgestiegen war. Nach der Saison 2017/18 war es dann aber doch so weit. Und der direkte Wiederaufstieg war auch nicht mehr als eine bloße Wunschvorstellung.

Als Konsequenz wurde jetzt auch die berühmte Stadionuhr abmontiert. Sie zeigte 54 Jahre lang den Verbleib des Vereins in der ersten Liga an. In der vergangenen Saison war die Zeit seit der Gründung des Vereins 1887 zu sehen. Der Fokus soll wieder mehr auf den Sport gerichtet werden.

Dass es sportlich in den letzten Jahren nicht gut lief, liegt nach Meinung eines Unterzeichners aber nicht an Uhr oder Hymne. Die Maßnahmen seien nur ein Manöver, um von den tatsächlichen Pro­ble­men abzulenken. „Wir haben uns nie durch Erfolge profiliert. Die Tradition ist unser wichtigstes Gut!“, schreibt ein anderer. Über 700 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben. Auch wenn das Ziel von 10.000 Unterzeichner*innen nicht erreicht wird, bleibt den Fans des HSV ein kleiner Trost: Das Maskottchen Dino Hermann darf bleiben. Marthe Ruddat