das portrait

Christine Eckel will NS-Geschichte besser vermitteln

Christine Eckel entwirft ein Ausstellungskonzept fürs Hamburger „Stadthaus“ Foto: Rene Eder

Christine Eckel ist viel beschäftigt. Sie ist Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, promoviert nebenbei an der Helmut-Schmidt-Universität und forscht schon seit Langem zur NS-Zeit. Nun soll sie im „Stadthaus“, dem ehemaligen Hamburger Gestapo-Hauptquartier, eine neue Form des Erinnerns schaffen. Seit Juli ist die Historikerin damit beschäftigt, ein Ausstellungskonzept zu organisieren und das Stadthaus als historischen Ort sichtbar zu machen.

Einen einfachen Start wird sie nicht haben. Bisher hat das Stadthaus noch nicht mit gelungener Erinnerungskultur geglänzt, sondern vielmehr mit seiner frisch renovierten Fassade: Wo die Gestapo früher folterte und mordete, kann man nun shoppen gehen. „Eine große Anzahl von Gefangenen wurde hier zu Verhören festgehalten und misshandelt“, sagt Eckel. „Auch wurde im Stadthaus der Einsatz von Hamburger Polizeibataillonen im Zweiten Weltkrieg koordiniert, die insbesondere in Polen an zahlreichen Massenmorden beteiligt waren.“

Die ehemalige Polizeistelle wurde lange nach Kriegsende noch von Behörden weiter genutzt. Gedenken fand nicht statt, bis 2009 ein privater Investor das Gebäude kaufte und auf der Fläche von 530 Quadratmeter auch einen Ort für die Aufarbeitung der NS-Geschichte schaffen sollte. Heraus kam eine große Buchhandlung mit Café und eine Ausstellungsfläche von gerade mal 70 Quadratmeter. Zahlreiche Historiker*innen und Aktivist*innen der „Initiative Gedenkort Stadthaus“ kritisierten das unzulängliche Gedenken.

Jetzt soll sich vieles ändern. Mit Eckels Einstellung wird es eine neue Ausstellung geben, kuratiert von Herbert Diercks. „Wir planen beispielsweise Vertiefungsebenen und Medienstationen“, erklärt Eckel. „Ein zweiter Teil der Ausstellung wird sich auf dem Arkadengang befinden, und auch der sogenannte „Seufzergang“ wird einbezogen.“ Die Historikerin will die Geschichte des Stadthauses nun besser vermitteln und auch Angehörige von Verfolgten zu Wort kommen lassen. Inga Kemper