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Waldbrand in Mecklenburg – bis nach Sachsen zu riechen

Mehr als 400 Hektar Wald auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz stehen in Flammen. Ein Problem sind die Überreste an Munition und Sprengmitteln. Mehrere Orte wurden evakuiert

Das Neue

Bis nach Sachsen war der Brand zu riechen, in Berlin roch es am Montagmorgen teilweise so stark, als ob der Grunewald oder der nächstgelegene Park in Flammen stehen würde: Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern stehen nach offiziellen Angaben 430 Hektar Wald in Flammen. Das Feuer hatte sich am Sonntag durch starke Winde ausgebreitet. Als Ursache vermuten die Behörden Brandstiftung. Landesinnenmister Lorenz Caffier (CDU) wollte sich „wegen der laufenden Ermittlungen“ nicht näher zu dem Verdacht äußern.

Der Kontext

Bereits im vergangenen Jahr kam es zu mehreren großflächigen Bränden auf ehemaligen Truppenübungsplätzen in Ostdeutschland, Dass diese Gebiete besonders gefährdet sind, hat mehrere Gründe. Die Böden in Ostdeutschland sind überdurchschnittlich trocken, erst recht durch den Hitze-Sommer des vergangenen Jahres. Die Wälder auf ehemaligen Truppenübungsplätzen werden großenteils nicht von Förstern bewirtschaftet – trockenes Altholz entzündet sich leicht. Hinzu kommt, dass bis heute große Mengen an Munition, Granaten und Sprengmitteln – teilweise noch aus dem Zweiten Weltkrieg – in den Böden liegen, die die Brände verstärken und das Löschen erschweren können.

1936 hatte die Wehrmacht in der Lübtheener Heide ein riesiges Übungsgelände geschaffen, die Marine hatte hier ein Artilleriearsenal betrieben. Nach dem Krieg nutzte die sowjetische Armee das Areal, bis 2013 dann die Bundeswehr.

In Mecklenburg-Vorpommern gelten 175 Flächen als hochgradig mit Kampfmitteln belastet. Dazu gehören fast 30.000 Hektar Waldflächen – das sind etwa zehn Prozent des Waldes des Landes. Brandenburg hat nach eigenen Angaben den höchsten Anteil an munitionsbelasteten Gebieten unter allen Bundesländern. Neben den rund 200.000 Hektar ehemals militärisch genutzten Flächen stehen laut des aktuellen Waldschadensbericht 350.000 Hektar zivil genutzte Fläche unter Kampfmittelverdacht.

Die Reaktionen

Mit Hilfe von Löschpanzern und Löschhubschraubern versucht die Feuerwehr in Lübtheen, den Brand einzudämmen. Die Ortschaften Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs mit insgesamt 650 BewohnerInnen wurden vorsorglich evakuiert. „Es geht im Moment nicht um das Löschen des Brandes. Es geht um die Sicherung der Ortschaften, um Leib und Leben“, sagte Stefan Sternberg, Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim.

Die Konsequenz

Erst einmal keine. Irgendwann wird der Brand gelöscht sein oder von sich aus zu Ende gehen. Das Problem der belasteten Böden wird bestehen bleiben. Die Frage bleibt, warum das Munitionsproblem über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und 25 Jahre nach Abzug der Roten Armee immer noch gewaltig ist. Die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Areal gehört, konnte der taz bis Redaktionsschluss nichts Näheres zum Umgang mit den militärischen Hinterlassenschaften sagen. (ghi, taz, dpa)