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Dringend gesucht: Dach überm Kopf

Ein Hamburger Projekt sucht und vermittelt Wohnraum an junge Leute, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben

Von Harff-Peter Schönherr

„Zimmerfrei“: So heißt ein Projekt, das die gemeinnützige GmbH „Lawaetz – wohnen&leben“ in Hamburg entwickelt hat. Es ver­mittelt im Auftrag der Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Basfi) WG-Zimmer und Appartments an Wohnungssuchende, die auf dem hart umkämpften Markt zu den Schwächsten der Schwachen zählen: unbegleitete minderjährige Geflüchtete oder junge Erwachsene aus Jugendhilfeeinrichtungen, die in einer Schul- oder Berufsausbildung stehen.

60 Vermittlungen kamen bisher zustande, an Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Eri­trea und Afghanistan – die jüngsten von ihnen sind 16, die ältesten 21. Auf die TV-Show „Zimmer frei!“ mit Götz Alsmann spielt der Projektname übrigens nicht an, im Gegenteil: „Dort ist ja eben ein Zimmer frei, und das wartet auf einen neuen Bewohner“, sagt Ilka von Engel von Lawaetz. „Wir dagegen ziehen das zu einem Wort zusammen, und das signalisiert: Hier ist jemand, der kein Zimmer hat, eins sucht und bisher keins findet.“

Ende 2015 gegründet, sucht „Zimmerfrei“ nicht nur Wohnraum, sondern „Menschen, die sich konkret engagieren“. Wer jemanden zur Miete bei sich aufnehme, erklärt von Engel, etwa als WG oder als Paar, dessen Kinder aus dem Haus sind, „und wer Bad und Küche mit einem Mieter teilt, geht ja eine Art Beziehung ein. Daraus ergibt sich oft ein Verantwortungsgefühl, eine Wegbegleitung.“

Eigener Wohnraum: Das klingt so selbstverständlich, Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen listet ihn als Standard. Und doch bleibt er für viele eine unerfüllte Sehnsucht. Auch in Hamburg ist das so. Angebote gibt es kaum, gerade im unteren Preissegment. Dabei steht die Stadt im Bundesvergleich sogar noch gut da, nicht zuletzt durch die Saga, mit 134.000 Wohnungen der größte Vermieter der Stadt und das größte kommunale Wohnungsunternehmen Deutschlands. Tausende Baubeginne stemmt die Saga pro Jahr, ihre jährliche Investitionssumme liegt bei über einer halben Milliarde Euro.

Aber junge Hamburger mit Fluchtbiografien oder betreut von der ambulanten Jugendhilfe haben es besonders schwer, Wohnraum zu finden. Das führt auch bei „Zimmerfrei“ zu einer Warteliste. „Zwischen 20 und 30 junge Menschen stehen durchschnittlich darauf“, sagt von Engel. „Viele von ihnen sind zwischen 18 und 19 Jahre alt.“ Unter denen, die sich entscheiden, ihnen bei einem „guten Start in die Selbständigkeit“ mit Wohnraum zu helfen, sind Alleinstehende, Paare, Familien.

Den jungen Wohnungssuchenden fehlt aber noch mehr, und auch hier versucht „Zimmerfrei“ zu helfen: Das Projekt sammelt Spenden für notwendige Dinge wie Putz-Sets, Werkzeugkästen, Fahrräder oder auch ein komplettes „Starter-Set“. Auf der Spendenplattform Betterplace.org können jene, die zwar keinen Wohnraum anbieten können, immerhin auf diese Art und Weise helfen.

Weitere Infos: www.zimmerfrei-lawaetz.de