Das war auch

Senator kriegt einen Korb

40 Prozent CO2-Emissionen wollte Bremen bis 2020 einsparen

Die Gärtner*innen des Stadtgartens Lucie, einem Fleckchen Grün inmitten einer für Bremer Verhältnisse ziemlich krassen Betonwüste nahe der Beck’s-Brauerei, wollten nicht ins Rathaus, wo ihnen Bremens Bau- und Umweltsenator Joachim Lohse (Grün) am Dienstag einen ehrenvollen Empfang bereiten wollte. „Angesichts der Tatsache, dass Bremen, genau wie Deutschland, seine Klimaziele meilenweit verfehlt, haben sich die Gärtner*innen entschieden, so kurz vor der Wahl nicht zu dem würdigenden Empfang ihres Ehrenamtes zu gehen“, teilte der Verein „Ab geht die Lucie“ mit.

Dabei hatte auch der Umweltsenator dafür gesorgt, dass die Stadtgärtner*innen den Kampf um die Entsiegelung des Lucie-Flechtmann-Platzes gewinnen konnten. „Uns ist bewusst, dass die neue Lucie niemals ohne die Kooperationsbereitschaft aus Politik und Verwaltung entstanden wäre“, schreiben sie. Das wiederum führen sie als Grund für die Absage an. „Das zeigt doch nur, welch gewaltiger Einfluss auf Stadtentwicklung in der senatorischen Behörde sitzt und wie viel bewegt werden kann, wenn nur der Wille da ist“, sagte die Lucie-Gärtnerin Katharina Müller der taz.

40 Prozent CO2-Emissionen wollte Bremen bis 2020 einsparen, im Vergleich zum Jahr 1990. Geschafft werden wohl nur 14 Prozent – was laut Lohse vor allem daran liegt, dass die Kohlekraftwerke noch nicht abgeschaltet sind, ein Bundesthema. Auf die Nachfrage, welche konkreten Maßnahmen der Umweltsenator in Bremen umsetzen solle, nannte die Lucie-Gärtnerin Müller zum einen den Ausbau der Straßenbahnlinien ins Umland und zum anderen den Bau von Premiumradrouten. Beides soll den Pendlerverkehr mit dem Auto reduzieren.

Da sei der Einfluss dann doch nicht so „gewaltig“, wie sich die Lucie-Leute das vorstellten, sagte Lohses Sprecher Jens Tittmann. Gegen den Weiterbau der Linien 1 und 8 wurde geklagt und die Premiumradrouten kämen nur voran, wenn der Koalitionspartner SPD bereit sei, diese vollständig zu finanzieren. „Den Haushalt beschließt nun mal das Parlament, nicht der Senator.“

Gefreut habe der sich über die 180 ehrenamtlich im Natur- und Umweltschutz Engagierten, die am Dienstag seiner Einladung ins Rathaus gefolgt waren und „teils sehr kritisch“ mit ihm diskutiert haben. „Diese Chance hätten die Lucie-Leute auch gehabt.“ Eiken Bruhn