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EmperorEmeritus

Blick auf die kaiserliche japanische Familie, 20. Dezember 1969: Der jetzige Kaiser Akihito steht als Kronprinz ganz rechts, sein Sohn – der künftige Kaiser – Naruhito ist der Junge in der hinteren Reihe. Die Bürde des Amts steht ihm da noch lange bevor Foto: Hulton Archive/Getty Images

Am 30. April ereignet sich In Japan etwas Besonderes: Zum ersten Mal seit 200 Jahren verlässt ein Kaiser freiwillig den Thron, der ihm bis zum Tode gebührt. Aber Kaiser Akihito kann nicht mehr, in seinem 86. Lebensjahr fühlt er sich nach mehreren Operationen angeschlagen; in einer seltenen Rede an seine Landsleute sagte er, er mache sich Sorgen, „dass es für mich möglicherweise schwierig wird, meine Pflichten als Symbol des Staats mit meinem ganzen Wesen zu erfüllen, so wie ich es bisher getan habe.“

Eine Ära geht zu Ende, wenn der Tennõam kommenden Dienstag im Matsu-no-Ma-Saal des Kaiserpalasts in Tokio nach 30 Jahren die Throninsignien symbolisch abgibt – ein Schwert für Tapferkeit, ein Juwel für Wohlwollen, einen Spiegel für Weisheit. Eine Ära geht zu Ende, die, wie jede Kaiserherrschaft in Japan, einen Namen trägt. Akihitos Zeit heißt Heisei, was mit „Frieden schaffen“ übersetzt werden kann. Zeitungen schreiben seit Wochen bereits Nachrufe auf diese Epoche, das Land würdigt Heisei mit zehn Feiertagen, ein findiges Unternehmen verkauft für umgerechnet 8,60 Euro Luft aus der Heisei-Zeit in Dosen.

Die Wirtschaft ist flau, die Bevölkerung altert rapide, China wird immer mächtiger, nationalistische Kräfte nehmen sich Raum. Der Kaiser, so sagen es politische Beobachter, wird fehlen, gerade jetzt. Zumal Akihito seine ihm zugewiesene Rolle als „Symbol des Staats und der Einheit des Volks“ vergleichsweise öffentlich ausübte. Sein Sohn Naruhito wird ihn beerben; er hat angekündigt, den Stil seines Vaters fortzuführen.

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