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Mit Zuzana Čaputová wird die Slowakei jetzt weiblich regiert

Erstmals hat das katholisch geprägte, wertkonservative Land eine Frau zur Regierungschefin gewählt. Die 45-jährige Liberale kämpft für Umweltschutz, Frauen- und Homosexuellenrechte

Das Neue

Eigentlich muss es heißen: die Neue – Zuzana Čaputová. Die 45 Jahre alte Menschenrechtsanwältin und Umweltaktivistin ist am Samstag in einer direkten Wahl zur Präsidentin der Slowakischen Republik gewählt worden. Erstmals hat die Slowakei nun eine Frau an der Spitze, die – auch das ist neu – aus der Zivilgesellschaft kommt. In der Stichwahl siegte sie mit souveränen 58,4 Prozent über Maroš Šefčovič. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kandidat der Regierungspartei Smer bekam seinen 41,6-prozentigen Stimmanteil vor allem aus dem strukturschwachen Osten des Landes. Als Präsidentin will Čaputová, die zwar politisch unerfahren, als Umweltaktivistin aber bekannt ist, für einen Neuanfang stehen: „Lasst uns suchen, was uns eint. Lasst uns Zusammenarbeit über persönliche Interessen stellen“, sagte Čaputová in ihrer Siegesrede.

Der Kontext

Den Entschluss zu kandidieren hatte Čaputová nach dem Auftragsmord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová im vergangenen Frühjahr gefällt. Die brutale Tat hat den Slowaken die mafiösen Strukturen zwischen Politik und Wirtschaft offengelegt.

Mit Zuzana Čaputová haben sie sich jetzt eine Präsidentin gewählt, die schon in der Vergangenheit gezeigt hat, dass sie erfolgreich gegen diese Strukturen ankämpfen kann. Ihr Engagement gegen eine halblegale, giftige Müllhalde in ihrer Heimatstadt Pezinok nahe Bratislava hat ihr international den Goldmann-Preis, eine Art Nobelpreis für Umweltschutz, beschert – und auf heimischer Bühne viel Respekt.

Die Reaktionen

„Vielleicht haben wir uns gedacht, dass Anstand in der Politik ein Zeichen von Schwäche zu sein scheint – heute sehen wir, dass er auch unsere Kraft sein kann“, sagte Čaputová in ihrer Dankesrede an die Wählerinnen und Wähler. Als Präsidentin wolle sie nahe am Volk sein und viel im Land herumreisen, versprach sie.

Čaputová habe es geschafft, das Land im Interesse einer „anständigen Slowakei“ zu einen, meinen schon jetzt verschiedene Beobachter. Das zeige sich etwa darin, dass sie es in der katholisch geprägten, wertkonservativen Slowakei an die Spitze geschafft habe, obwohl sie eine geschiedene, alleinerziehende Mutter ist, homosexuellen Paaren die Adoption von Kindern erlauben möchte und eine liberale, frauenfreundliche Abtreibungspolitik unterstützt.

Die Konsequenz

Nach ihrem Wahlsieg ist Čaputová von ihrem Amt als Vizevorsitzenden der kleinen außerparlamentarischen Partei „Progressive Slowakei“ zurückgetreten, um eine überparteiliche Präsidentin zu sein. Vor allem ist sie jetzt eine Hoffnungsträgerin für einen neuen Politikstil im Land. Das wird vor allem die regierende sozialdemokratische Partei Smer treffen, der bei den Europawahlen schon die nächste Niederlage vorausgesagt wird. Es würde auch nicht überraschen, wenn sich die slowakische Parteienlandschaft bald ganz neu definiert.

Alexandra Mostyn, Prag

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