das portrait

Porsche-Betriebsrat Uwe Hück tritt überraschend zurück und geht in die Politik

Foto: Marijan Murat/dpa

Am Montag auf der Versammlung der Porsche-Belegschaft verkündete Uwe Hück vor rund 5.000 Zuhörern seinen Rücktritt – und überraschte damit fast alle Anwesenden. Zuvor hatte der 56-Jährige nur engen Vertrauten erzählt, dass er Porsche nach fast 35 Jahren verlassen wird. Hück, der nicht nur Betriebsratschef bei Porsche, sondern auch SPD-Mitglied ist, möchte nun in der Politik Fuß fassen. „Ich bin ein Macher und war schon immer für eine Überraschung gut“, schrieb Hück in einem Abschiedsbrief an die Belegschaft.

Bei den Wahlen zum Gemeinderat in Pforzheim am 26. Mai will Hück antreten – jedoch nicht für die SPD, sondern mit einer eigenen Liste. Mit den heutigen Politiker*innen in Berlin und Brüssel rechnete er ab. „Die haben das Gespür für die Bedürfnisse der Beschäftigten verloren“, sagte er dem Spiegel. „Die Bürger Pforzheims haben was Besseres verdient.“ Scharfe Kritik übte er besonders an der SPD: „Wenn die SPD so weitermacht, wird sie ihr Erbe vernichten.“

Falls Hück mit einer eigenen Liste antrete, verstoße er gegen das Statut der SPD, sagte Andreas Reißig, Sprecher der Landes-SPD Baden-Württemberg, der taz. Zu den möglichen Folgen für Hücks SPD-Mitgliedschaft äußerte er sich jedoch nicht. „Wir kennen ihn als überzeugten und streitbaren Sozialdemokraten. Und wir würden uns sehr freuen, wenn er – gerade in schwierigen Zeiten – weiterhin innerhalb der SPD um die gute Sache ringt und nicht außerhalb“, sagte Reißig. Die SPD werde ausführlich das Gespräch mit Hück suchen, so Reißig.

Hück tritt bewusst auf Kommunalebene an. Er möchte es in der Politik machen wie bei Porsche – und unten anfangen. Hück wurde 1962 in Stuttgart geboren und wuchs in einem Waisenhaus auf. Bei Porsche begann er Mitte der 80er Jahre als Lackierer und arbeitete sich hoch. Seit 1990 ist er Mitglied des Betriebsrats.

Auch für sein soziales Engagement möchte Hück sich mehr Zeit nehmen – vor allem für seine 2013 in Pforzheim gegründete „Lernstiftung Hück“, die benachteiligte und sozial schwache Jugendliche durch Lern-, Ausbildungs- und Integrationsprojekte fördert. Der zweimalige Europameister im Thaiboxen ist auch sonst sozial aktiv. Bei Benefizveranstaltungen stieg er für Wohltätigkeitszwecke schon gegen Profiboxer in den Ring. 2016 nahm er gemeinsam mit weiteren Porsche-Mitarbeitern an einem sechsstündigen Charity-Lauf teil. Für seine sozialen Verdienste zeichnete ihn der Bundespräsident im März 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz aus.

Nicht nur die Belegschaft, für die Hück zuletzt Boni von 9.656 Euro erstritt, ist traurig über seinen Rückzug aus dem Betrieb. Auch der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann zeigte sich betrübt: „Ich finde es sehr schade, dass er sein Mandat abgibt“, sagte er dem Spiegel. Ungewöhnliche Abschiedsworte fand Porsche-Chef Oliver Blume: „Uwe Hück ist eine Kämpfernatur – ob im Boxring oder am Verhandlungstisch –, er nimmt kein Blatt vor den Mund, und er hat ein großes Herz.“ Lenne Quentin