die drei fragezeichen

„Wir kritisieren die Anmaßung des Papstes“

Foto: Holger Gross

Barbara John, 80, ist Vor­sitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Berlin, war erste Ausländerbeauftragte des Berliner Senats und ist jetzt Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der Opfer des NSU-Terrors.

1 taz am wochenende: Mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund in Berlin haben Sie 30.427 Unterschriften für die Onlinepetition „Papst Franziskus: Abtreibung ist kein Verbrechen“ gesammelt. Haben Sie mit dieser Anzahl gerechnet?

Barbara John: Ja, schon. Es zeigt, dass viele Menschen unsere Haltung teilen. Die Petition setzt sich nicht für Abtreibung ein, sondern gegen die Anmaßung des Papstes, Frauen, die eine selbst verantwortete Gewissensentscheidung für eine Abtreibung treffen, als Verbrecherinnen zu stigmatisieren und zu verdammen.

2 Was passiert jetzt?

Noch haben wir die Petition nicht abgeschickt, doch wir werden im Vorstand darüber sprechen. Aber der Berliner Erzbischof, Heiner Koch, hat sich kritisch dazu geäußert. Bald steht ein Gespräch mit ihm an. Dabei werden wir auch betonen, dass katholische Schwangerschaftsberatungen besser unterstützt werden müssen. Auch die Richtung der Beratung dort muss sich ändern. Beispielsweise sind Frauen mit Kinderwunsch ohne Ehepartner von der Beratung ausgeschlossen.

3 Gab es auch von außerhalb der Kirche negative Stimmen?

Wenige, und die waren auch willkommen. Das Thema ist nun mal polarisierend. Aus Erfahrung wissen wir, dass Frauen schon immer in Notlagen abgetrieben haben, unabhängig davon, ob es straffrei war oder nicht. Dennoch ist es gut, dass es Frauen gibt, die alles versuchen, um eine Abtreibung zu vermeiden und es auch schaffen. Aber was ist mit den anderen? Brauchen sie keine Hilfe, weil sie es in ihrer spezifischen Notlage nicht schaffen? Sollten sie verurteilt werden ausgerechnet von einer Institution, die seit Langem ein überholtes Frauenbild konserviert?

Interview: Juliane Fiegler