tazūüźĺthema

fairer handel

die verlagsseiten der taz

Vier Jahre Vorlauf

Bestattungsgesetz in NRW verbietet Aufstellung von Grabsteinen, die durch Kinderarbeit erstellt wurden

Kinderarbeit bei der Herstellung von Grabsteinen ist schon seit vielen Jahren ein viel diskutiertes Thema. Ein wissenschaftliches Gutachten dar√ľber hat in Nordrhein-Westfalen (NRW) nun politische Konsequenzen. Die dortige Landesregierung folgt per Kabinettsbeschluss vom 4. September den Empfehlungen der Hochschule D√ľsseldorf (HSD).

Deren Gutachten belegt Kinderarbeit in Steinbr√ľchen in Indien, Vietnam und den Philippinen. Au√üerdem zeigt es auf, dass auch bei Steinen aus China nicht ausgeschlossen werden kann, dass Kinder an ihrem Abbau oder ihrer Bearbeitung beteiligt waren.

Die genannten L√§nder geh√∂ren zu den Hauptlieferanten von Naturstein, der in Deutschland auch zu Grabsteinen verarbeitet wird. Steine aus diesen L√§ndern m√ľssen k√ľnftig als kinderarbeitsfrei zertifiziert sein, sonst d√ľrfen sie in NRW nicht aufgestellt werden.

‚Ä®‚Ä®Die Arbeit in Steinbr√ľchen geh√∂rt zu den schlimmsten Formen von Kinderarbeit, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) schon vor Jahren strikt verboten wurden. Deutschland importiert in gro√üem Ma√üe Natursteine aus L√§ndern, in denen ausbeuterische Kinderarbeit an der Tagesordnung ist. Ein spezieller Fall sind dabei Grabsteine: Ein Gro√üteil der Grabsteine und Grabeinfassungen auf deutschen Friedh√∂fen wird aus diesen Natursteinen gefertigt.

Kinderarbeit in der Natursteinindustrie ist ausbeuterisch, gesundheitssch√§digend, lebensgef√§hrlich. Sie wird schon seit vielen Jahren von den Vereinten Nationen besonders ge√§chtet. ‚Ä®‚Ä®Der Landtag Nordrhein-Westfalens hat im Juli 2014 das Bestattungsgesetz erg√§nzt und damit die Aufstellung von Grabsteinen, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit produziert wurden, landesweit verboten. Natursteine aus L√§ndern, in denen Kinderarbeit in der Natursteinindustrie anzutreffen ist, m√ľssten als kinderarbeitsfrei zertifiziert werden.

Per Runderlass des federf√ľhrenden NRW-Gesundheitsministeriums vom 18. M√§rz 2015 wurde die Zertifizierungspflicht jedoch ausgesetzt ‚Äď die konkrete Umsetzung sei noch zu regeln. Dieser Prozess hat vier Jahre ben√∂tigt und wurde jetzt von der Landesregierung zum Abschluss gebracht.‚Ä®‚Ä®

Ein zu klärender Aspekt betraf die Frage, welche Lieferländer betroffen sind.