tazūüźĺsachen

Der Mann,
der knetet

Der wichtigste Mann in der taz hei√üt Joachim. Er ist nicht der Gesch√§ftsf√ľhrer, nicht der Chefredakteur, nicht einmal Autor unserer kleinen Tageszeitung ist er. Joachim ist der Masseur.

Winters wie sommers kommt er donnerstags in die Dutschkestra√üe, im Gep√§ck ein Rohrgest√§nge, das sich auseinandergefaltet als Massagestuhl entpuppt. Auf diesem Knetm√∂bel d√ľrfen sich alle taz-Mitarbeiter*innen, die es danach verlangt, eine Viertelstunde lang von Kopf bis Fu√ü massieren lassen.

Und es gibt einige Probleme, die Joachim wegwalkt: Verspannungen im Nacken von der ewig falschen Haltung am Arbeitsplatz; schmerzende, weil dauernd falsch belastete Muskelpartien; und das beliebteste Dilemma: Jemand hat ‚ÄěR√ľcken‚Äú.

Dann setzt Joachim, der eigentlich ein zarter Mensch ist, seine unglaublich muskul√∂sen H√§nde ein ‚Äď und sollte das nicht gen√ľgen, presst er seine Ellenbogen auf K√∂rperstellen, die nie ein Mensch zuvor gesehen, geschweige denn gef√ľhlt hat. So kommt es einem jedenfalls vor, wenn Joachim mit einer faszinierenden Mischung aus Sanftheit und H√§rte, die er Shiatsu nennt, zugange ist. Unter seinen H√§nden entschlummern still und sanft die Leidensgestalten, die wie ein St√ľck Wachs dahinschmelzen und vom Stuhl zu gleiten drohen.

Die Massage einmal in der Woche ist meist der einzige Moment der K√∂rperlichkeit in einer von digitalen Sph√§ren mehr und mehr beherrschten Arbeitswelt. Und wem dies vorkommt wie Sex, der hat sogar ein bisschen recht ‚Äď ja, es ist fast wie Sex, nur besser. Und so h√§lt Joachim den Laden taz am Laufen. (mir)