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Die Türkei klagt einen amerikanischen Pastor an

Am Montagmorgen hat in Izmir ein Prozess gegen den amerikanischen Pastor Andrew Craig Brunson begonnen, der bereits seit Oktober 2016 in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt. Brunson wird vorgeworfen, er habe die kurdische PKK und die islamistische Gülen-Bewegung unterstützt. Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb für Brunson 35 Jahre Haft. Beide Gruppen gelten in der Türkei als terroristische Bewegungen. Das geistige Oberhaupt der Gülen-Sekte, Fetullah Gülen, lebt seit 1999 in den USA. Die Türkei wirft ihm vor, für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich zu sein und fordert seine Auslieferung.

Die seit mehr als eineinhalb Jahren andauernde Haft des 50-jährigen Pastors belastet die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA schwer. Brunson lebt seit 23 Jahren in der Türkei und leitet in Izmir eine kleine protestantische Kirche, die „Kirche zur Auferstehung“.

Brunson lebt mit Frau und Tochter in der Türkei. Nachdem die USA nach dem Putschversuch im Sommer 2016 auf die Forderung nach Auslieferung von Gülen nicht reagierten, wurde Brunson im Oktober mit seiner Frau Norine verhaftet, die aber bald wieder freigelassen wurde. Er sitzt seitdem in Haft und wird nach Auffassung des konservativen christlichen Think Tanks American Center for Law and Justice von der Türkei als Geisel festgehalten. Präsident Recep Tayyip Erdoğan bestätigte dies im September, als er sagte: „Wenn ihr uns Gülen gebt, geben wir euch Brunson.“

Die Haft von Brunson ist in den USA vor allem in evangelikalen Kreisen zu einem Skandal geworden. Das Center for Law and Justice sammelte über eine halbe Million Unterschriften, mit denen die US-Regierung aufgefordert wird, sich mehr für die Freilassung des Pastors einzusetzen. In der Petition heißt es, das Christentum als Ganzes sei in der Türkei angeklagt. Präsident Donald Trump setzte sich daraufhin bei Erdoğan für die Freilassung von Brunson ein, bisher ohne Erfolg. Seit Kurzem hat Brunson in der US-Regierung einen direkten Fürsprecher. Wie US-Medien berichteten, ist der neue Außenminister Mike Pompeo ein Mitglied der Kirche, die Brunson in der Türkei vertritt.

Der Fall Brunson ist nicht die einzige Personalie, die das Verhältnis beider Staaten belastet. Im Oktober wurde ein türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul festgenommen. Der Mann ist seit vielen Jahren der wichtigste Kontaktmann der USA zur türkischen Polizei. Auch ihm wird vorgeworfen, er habe enge Beziehungen zur Gülen-Sekte und soll Gülen-Mitgliedern die Flucht ermöglicht haben. Jürgen Gottschlich