wie machen sie das?

Die Home- Officerin

Anika Baumann, 29, arbeitet als Marketingchefin für das Stuttgarter Start-up virtualQ. Das macht sie von ihrem Home-Office in Berlin aus. Vorher war sie in einem klassischen Bürojob tätig. Vierzig Stunden pro Woche, mit Stempeluhr.

taz am wochenende: Frau Baumann, Sie arbeiten vierzig Wochenstunden im Home-Office. Dafür müssen Sie Job und Privatleben voneinander trennen. Wie machen Sie das?

Anika Baumann: Zum einen hilft es, sich eine gewisse Struktur aufzubauen. Ich habe eine ungefähre Zeit, zu der ich morgens immer starte, und dadurch einen Tagesablauf. Ich glaube, dass es prinzipiell aber auch Typsache ist. Wenn man von zu Hause arbeiten will, dann braucht man sehr viel Selbstdisziplin und auch einen gewissen Grad an intrinsischer Motivation.

Wie zeigen Sie Ihrem Chef, dass Sie gearbeitet haben?

Wir nennen das „results only environment“. Am Ende des Tages zählen nicht die Stunden, die der Mitarbeiter am Schreibtisch saß, sondern die Ergebnisse. Ich kann in fünf Stunden total produktiv sein. Ich kann aber auch zehn Stunden am Computer sitzen und am Ende nicht viel geschafft haben.

Zu Hause arbeiten Sie also in kürzerer Zeit effizienter als im Büro?

Ich glaube, keiner kann acht Stunden am Stück konzentriert durcharbeiten. Auch im Büro kann man sich bei Facebook oder durch Gespräche mit Kollegen ablenken. Wenn ich sehe, dass alle lange bleiben, dann bleibe ich tendenziell auch länger, selbst wenn der Kopf raucht. Ich habe im Home-Office die Freiheit, mal eine halbe Stunde spazieren zu gehen, und kriege dadurch den Kopf wieder frei. Oder ich gehe nachmittags zum Sport und arbeite abends eine Stunde länger.

Wie trennen Sie Arbeit und Freizeit in Ihrer Wohnung räumlich?

Ich habe einen separaten Raum mit Schreibtisch, Bildschirm und so weiter, in dem ich arbeite und Sachen liegen lassen kann. Abends klappe ich den Laptop zu und dann ist Feierabend. Natürlich kommt es vor, dass ich nochmal zum Handy greife oder mir eine Idee notiere, aber das habe ich in meinem Bürojob auch getan. Heutzutage verschwimmen Arbeitswelt und Privatwelt ja ohnehin immer stärker.

Was hält Ihr Umfeld davon, dass Sie im Home-Office arbeiten?

Interessanterweise sagen erst einmal viele Leute, dass das toll klingt und sie das auch gerne machen würden. Wenn sie dann darüber nachdenken, merken aber doch viele, dass sie den sozialen Austausch mit Kollegen vermissen würden. Ich jedenfalls schaffe mir im Home-Office das Arbeitsumfeld, das ich brauche. Ich bestimme Lautstärke, Temperatur und alles, was sonst noch Diskussionspunkte im Büro sein können.

Interview Jonas Mayer