das portrait

Der thailändische Historiker Sulak Sivaraksahat keine Majestät beleidigt

Foto: Jorge Silva/reuters

Sulak Sivaraksa bleibt ein freier Mann: Am Mittwoch hatten die Richter am Bangkoker Militärgericht eine Klage wegen Majestätsbeleidigung gegen den prominenten thailändischen Historiker abgewiesen. Es gebe nicht genügend Zeugen, um ihn verurteilen zu können. Dem 84-Jährigen war vorgeworfen worden, in einem Vortrag vor mehr als drei Jahren angezweifelt zu haben, dass es ein historisches „Elefantenduell“ tatsächlich gegeben habe. Der Überlieferung nach hatte ein thailändischer König auf dem Rücken eines Kriegselefanten vor über 400 Jahren seinen Erzfeind aus Myanmar (Birma) besiegt. Ultraroyalisten hatten Sulak daraufhin angezeigt.

Thailands jetzige Junta, die sich im Mai 2014 an die Macht geputscht hatte und einen Film über das „Elefantenduell“ sponserte, ordnete damals an, es sei die Pflicht eines jeden thailändischen Patrioten, sich diesen anzuschauen. Sulak sprach daraufhin von „Propaganda“. Eine Verurteilung unter dem drakonischem Paragrafen 112, dem Gesetz gegen Majestätsbeleidigung, kann pro Anklagepunkt bis zu 15 Jahre Haft bedeuten. Medienberichten zufolge erklärte Sulak, er habe König Vajiralongkorn um Hilfe gebeten.

An Schikanen ist der 1933 in Bangkok geborene Sulak gewöhnt. Seit den 1980er Jahren war er wiederholt beschuldigt worden, das Königshaus verunglimpft zu haben. Er wurde zwischenzeitlich für einige Jahre ins Exil gezwungen, verhaftet und verfolgt. Einmal war er mitten in der Nacht aus seinem Haus in Bangkok zum Polizeiverhör in die 450 Kilometer entfernte nordöstliche Provinz Khon Kaen geschafft worden.

Sulak studierte er unter anderem in Großbritannien und gründete oder betreute Organisationen und Projekte, die sich mit sozialen, ökologischen und religiösen Fragen beschäftigen. Sulak engagiert sich für Menschenrechte und interreligiösen Dialog und prangert Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft an. Mit dem Dalai Lama ist der Verfasser zahlreicher buddhistischer Texte gut befreundet. Mehrfach wurde er mit internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 1995 mit dem Alternativen Nobelpreis.

Grundsätzlich sagt Sulak von sich – darunter auch in einem Gespräch mit der taz – dass er jemand sei, der die Monarchie bewahren wolle. Zugleich gebiete ihm seine Loyalität, kritische Ansichten zu vertreten. Als im Dezember 2011 unter der demokratisch gewählten und 2014 gestürzten Regierung von Premierministerin Yingluck Shinawatra an die 100 Aktivisten mit einem „Marsch der Furchtlosigkeit“ gegen den Paragrafen 112 auf Bangkoks Straßen gingen, war Sulak mit von der Partie – im Rollstuhl.

Seit die Junta unter Diktator Prayuth Chano­cha herrscht, hat der politische Missbrauch dieses Gesetzes, das vor allem dazu dient, Gegner des Militärregimes mundtot zu machen, drastisch zugenommen. Sollte er tatsächlich verurteilt werden, hatte Sulak zuvor noch gespöttelt, werde er seinen 100. Geburtstag eben hinter Gittern verbringen. Nicola Glass