leserinnenbriefe

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1.000 Euro für jeden

Grundeinkommen Rettet die Idee, jedem Bürger ein garantiertes Einkommen auszuzahlen, die kollabierenden Sozialsysteme? Oder ist das ungerecht, weil dann auch Reiche in den Genuss des Staatsknete kommen würden?

Vielleicht wird’s ja doch noch was: Demo für bedingungsloses Grundeinkommen in Berlin Foto: Jörg Carstensen/dpa

Geld zum Überleben

betr.: „Geld fürs Nichtstun“taz.nord vom 9./10. 9. 17

Geld fürs Nichtstun? In einem Sozialstaat?

Das Geld in der Höhe reicht nur, um in etwa menschenwürdig leben zu können. Ein Auto und sonstige luxuriösen Sachen kann man bei so einem niedrigen Einkommen ja nicht haben. Es recht aber völlig, um zu überleben und leben wie ein Mensch.

Nach Auskunft der Bundesregierung ist die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland 2016 auf rund 335.000 gestiegen – ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Unter ihnen sind 29.000 Kinder. Wie ist die Lebenserwartung bei Obdachlosen Menschen im Vergleich zum Durchschnittsbürger?

Geld fürs Nichtstun? Nein, Geld zum Überleben, weil wir alle Menschen sind! Und wenn Menschen überleben, dann tun sie etwas, sie überleben nämlich; nichts tun heißt: tot sein.STEFAN MUSTERMANN, taz.de

Kaum echte Jobs

betr.: „Die Stimmungsmacher“, taz.nord vom 21./22. 11. 15

taz: „Geld fürs Nichtstun? Dass die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein das bedingungslose Grundeinkommen zumindest prüfen will belebt die Debatte pünktlich zur Bundestagswahl.“

Im Mai 2017 interviewte die Zeitung Der Tagesspiegel den neuen BA-Chef Detlef Scheele. Auf die Frage, was er denn vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) hält, antwortete Detlef Scheele: „Nein, ich bin strikt dagegen. Ein Grundeinkommen halte ich für moralisch verwerflich. Der Staat würde sich freikaufen von seiner Verantwortung, sich um die Arbeitslosen zu kümmern. Es mag altruistische Akademiker geben, die gerne ein Leben mit Grundeinkommen führen würden. Aber die meisten Menschen, die arbeitslos sind oder in schwierigen Beschäftigungsverhältnissen stecken, wollen lieber eine ordentlich bezahlte Arbeit.“

Detlef Scheele hätte natürlich auch sagen können, dass er gegen das bedingungslose Grundeinkommen ist, weil dann sein Job als Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) überflüssig wäre. Aber so altruistisch ist ein Ex-SPD-Senator dann wohl doch nicht, dass er die Wahrheit sagt und damit auf seinen Job und sein schönes Jahresgehalt von 300.000 Euro bei der BA verzichten würde.

Dass Industrie 4.0 gerade das Verschwinden ganzer Berufssparten ermöglicht und das es in dieser hochtechnisierten Welt voller Maschinen, Computer und Automaten kaum noch echte Jobs gibt, von denen man als Mensch auch existieren kann, sollte doch wohl langsam jedem klar sein. Letztendlich wehren sich nur noch diejenigen Leute gegen das BGE, die an der Armut der Bürger und dem ausufernden Niedriglohnsektor viel Geld verdienen. RICKY-13, taz.de

Menschen putzen

betr.: „Die Stimmungsmacher“, taz.nord vom 21./22. 11. 15

@Ricky-13 Bullshit.

Gerade im ganzen Dienstleistungssektor, der jetzt schon beschissen bezahlt wird, hat die Automatisierung kaum Auswirkungen.

Auch mit besserer KI und Robotern werden immer noch Menschen putzen, Haare schneiden, Kranke pflegen und Kinder erziehen. Das sind Arbeiten, die ein Mensch besser erledigen kann.

Dank 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen und Sozialabgaben bleibt allerdings nur ein geringer Nettolohn übrig.

Gleichzeitig entstehen mit steigender Automatisierung neue Arbeitsplätze. Denn es sind Menschen nötig, welche die Maschinen reparieren, warten und programmieren.

Problematisch ist das ganze für alle, die an der Fakultät für brotlose Künste studiert haben, um später irgendwas mit Medien zu machen und so lange Taxi fahren oder als unterbezahlte Praktikanten bei Zeitungen schuften.

Das selbstfahrende Automobil wird in der Taxibranche große Umwälzungen verursachen. ALREECH, taz.de

Die Rechnung, bitte!

betr.: „Die Stimmungsmacher“, taz.nord vom 21./22. 11. 15

„Jeder Euro, der über das Grundeinkommen hinaus verdient würde – ganz gleich, ob es sich um Einkommen aus Arbeit oder Kapital handelt – müsste mit 50 Prozent versteuert werden. Daraus würde sich, wie Straubhaar vorrechnet, praktisch eine progressive Einkommensteuer ergeben.“

Die Rechnung bitte, Herr Ober!

Kann man das irgendwo nachlesen?

Für mich klingt das so, als müsste jemand mit 1 Milliarde Euro Einkünften (Familie Quandt) dann 500 Mio. Euro Steuern zahlen und jemand mit 1.000 Euro Einkommen zahlt 500 Euro Steuern. Inwiefern wird das Modell progressiv?

Dann bekommt die Familie Quandt also 500 Mio. pro Jahr von BMW „fürs Nichtstun“ plus 1.000 Euro für jedes Familienmitglied im Monat.

Wir wollen ja schließlich keine Neiddebatte. Auch für die Quandts sei das Grundeinkommen steuerfrei.HANNIBAL CORPSE, taz.de