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KUNST

KunstKito Nedoschaut sich in Berlins Galerien um

Von Martin Kippenberger (1953–1997) weiß man, dass er die italienische Küche für ihre Einfachheit und Ehrlichkeit liebte. Praktisch: Bei solch „einarmigem Essen“ hat man die andere Hand zum Schreiben, Zeichnen oder Gestikulieren frei. Die Nudel lieferte viel Material für Kippenbergers Kunst, und einiges davon ist derzeit in einer Ausstellung in der Galerie Nagel Draxler am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte zu entdecken. Unter dem Titel „Gib mir das Sommerloch“ sind Zeichnungen, Gemälde und Installationen aus den Achtzigern und Neunzigern versammelt sowie eine Auswahl der von Kippenberger zahlreich produzierten Kataloge, Ausstellungsplakate und Einladungskarten. Die deutsche Sehnsucht nach dem Süden materialisiert sich plastisch in einem gewinkelten Ofen- oder Fallrohr in Grotto-Optik an der Decke. Das „Modell Toscana“ von 1989 erinnert daran, möglichst bald die kleine Italienfahrt zur Pizzeria um die Ecke anzutreten (bis 2. 9., Di.–Fr. 11–19, Sa. 11–18 Uhr, Weydingerstr. 2/4).

Auch der Weg an die Côte d’Azur hat sich in diesem Sommer drastisch verkürzt. Man packt die Badesachen ein und fährt einfach zum Sommerbad Humboldthain im Wedding. Dort hat die Kunstaktivistin Nele Heinevetter den temporären Kunst-Projektraum Tropez aus der Taufe gehoben. Seit dem Wochenende ist hier in einer Gruppenausstellung Kunst von unter anderen Markus Wirthmann oder Zoë Claire Miller zu sehen. Das Künstlerkollektiv Starship präsentiert außerdem eine thematische Filmreihe und es werden Lesungen mit dem Verlag Broken Dimanche Press (BDP) veranstaltet. Da es sich auch um einen traditionellen Kiosk handelt, gibt’s natürlich die deutschen Freibad-Klassiker Capri-Eis, Cola-Kracher, Pommes oder Fanta – und womöglich ab und zu einen Frosé (Frozen Rosé), den französischen Mode-Cocktail der Saison (bis 3. 9., Mo.–So. 10–18 Uhr, Wiesenstr. 1, Programm unter tropeztropez.de).

So viel sommerliche Ausgelassenheit will irgendwann auch mit Ernsthaftigkeit und Schwere gekontert werden. Diese liefert zuverlässig die Kunst von Käthe Kollwitz, die am 8. Juli 1867, also vor einhundertfünfzig Jahren, im damaligen Königsberg (heute Kaliningrad/Russland) geboren wurde. Aus diesem Anlass zeigt die Galerie Parterre in Prenzlauer Berg unter dem Titel „Käthe Kollwitz und Berlin. Eine Spurensuche“ die Zeichnungen, Plakate und Druckgrafiken der Pazifistin, Feministin und Menschenbeobachterin, die sich immer wieder mit Armut, Hunger, Mutterschaft, Tod oder der mörderischen Logik des Krieges auseinandersetzte (bis 24. 9., Mi.–So. 13–21, Do. 10–22 Uhr, Danziger Str. 101).

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