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KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst

My rules, you fools!

Grace Jones in „Corporate Cannibal“, 2008, R.: Nick Hooker, video still Foto: © Nick Hooker

Die Frage im Ausstellungstitel „Up and Down: Die Avantgarde von Heute als Salonkunst von Morgen?“ ist natürlich redundant. Dafür aber eine gute Entschuldigung, um auf Positionen zurückzukommen, die sich schmerzfrei zwischen Kitsch, Glamour und Pop, Underground und Vermarktung bewegen. Das beschert Szenen wie diese: Andy Warhol wird für eine BBC-Doku seiner „Screentests“ zur Abwechslung selbst gefilmt. „Say cheese!“, sagt er zu Susan Sontag. Auch Warhol konnte bieder. Sontag amüsiert sich.

Mit seiner UdK-Performanceklasse „Die Insel der verlorenen Seelen“ hat Ming Wong zehn Jahre nach Erscheinen seines Videos „Lerne Deutsch mit Petra von Kant“ ein Remake inszeniert. In knallgrünem Drag spielt die Gruppe Szenen aus Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) nach: Die unheilbar in ihr Model Verliebte wälzt sich mit goldenen Locken über den Boden: „Du sollst mir die Füße küssen.“ Als „imposters“ bezeichnet Wong sich und seine Truppe, als Blender, die nur so tun als ob. Ein Clou für die Doppelung in der Besetzung: Die Persönlichkeiten der von Kant überblenden sich so untrennbar wie ihre Ausbrüche von Selbstmitleid und Gehässigkeit.

Am Ende sprengt Grace Jones alle kunsthistorische Begrenztheit: Wo sie ist, ist Avantgarde, egal in welchem Jahrzehnt sie agiert. In Nick Hookers Musikvideo zur „Hurricane“-Auskopplung „Corporate Cannibal“ von 2008 personifiziert Jones einen ständig adaptierenden, morphenden Kapitalismus, der hier auch die Kunst anzuvisieren scheint: „I’ll give you a uniform, chloroform / Sanitize, homogenize, vaporize“. Was bleibt der Gegenbewegung? Up and Down like a phoenix. NYM

Bis 6. 8., Mi.–So., 12–18 Uhr, Am Sudhaus 3, 5/3 €