Elphi immer ausverkauft? Macht nichts. Es gibt andere Orte, an denen ich gerne mal wäre

Dampf der Giganten

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AM RAND

Klaus Irler

Wenn man nur mit Badehose und Taucherflossen bekleidet den Konzertsaal der Elbphilharmonie betritt, dann bekommt man Probleme. Der Platzanweiser hat etwas dagegen. Dafür ist es möglich, mit einer Tüte Pommes und einem Eis in der ersten Reihe zu sitzen. Und draußen auf der Rolltreppe kann man mit ein bisschen Glück die Queen treffen, außerdem Kent Nagano, einen Elefanten und die Beatles.

Das alles weiß ich, weil ich mir das Elbphilharmonie-Wimmelbuch besorgt habe. Wimmelbücher sind Bilderbücher für Kinder und sie heißen Wimmelbücher, weil es in ihnen vor Details und kleinen Schrägheiten wimmelt. Ich hätte mir die Elbphilharmonie auch gerne in Echt angesehen, aber leider sind alle Konzerte ausverkauft.

Deshalb gibt es die Sekundär-Erlebnisse und das ist neben dem Elbphilharmonie-Wimmelbuch eine Elbphilharmonie-Ausstellung in den Deichtorhallen. Zu sehen gibt es dort Werke, die sich auf die Architektur der Elbphilharmonie beziehen. Vermutlich gibt es bald auch die Elphi-Brezel, die so schmeckt wie die in der Konzertpause und die Elphi-Sitzkollektion, die so aussieht wie die Plätze, die immer ausverkauft sind.

Gerade wollen alle Leute da hin. Dabei gibt es noch viele andere Orte, die interessant sind. Ich wäre zum Beispiel gerne einmal im Hundesalon Beauty Dog auf dem Niendorfer Tibarg. Ich habe keinen Hund und werde mir niemals einen zulegen, aber die Hundesalon-Betreiberin schreibt so schön auf ihrer Website: „Aufgrund der verschiedenen Fellbeschaffenheiten und Strukturen erhält jeder Hund eine individuelle Beratung und Pflege.“

Leider sind die Hunde, die ich kenne, beratungsresistent. Allen anderen Hunden möchte ich hiermit raten, mich in Ruhe zu lassen, wenn wir uns beim Joggen treffen. Es könnte sein, dass ich sonst ihre Strukturen in Unordnung bringe.

Ferner wäre ich gerne bei einem Konzert der großartigen niederbayerischen Rapper Dicht und Ergreifend, die in diesem Jahr exakt ein Konzert geben, und zwar im Pfarrheim von Burglengenfeld. Burglengenfeld ist so etwas wie Bad Segeberg, nur dass die Entfernung von Hamburg 680 Kilometer beträgt. Doch als Ex-Katholik habe ich Berührungsängste mit einem Pfarrheim. Auch wenn die Rapper so biblisch anmutende Reime machen wie: „Dampf der Giganten – wenn die Bullen Wasser werfen, werfen wir Hydranten.“

Ein weiterer Ort, an dem ich gerne mal wäre, ist das von Winona Ryder gefahrene Taxi in dem Jim Jarmusch-Film „Night On Earth“. Ich würde Winona Ryder beim Rauchen zusehen auf dem Weg nach Hollywood und würde ihr am Ende eine Rolle in einem Film anbieten. Dann würde sie sagen: „Nö, lass mal, ich hab’schon was vor. Ich werde Automechanikerin.“

Dieser Satz würde dann zwar nicht ihr Leben verändern, aber meines, zumindest ein bisschen. Wahrscheinlich in die Richtung: Die Elbphilharmonie kann warten. Ich kümmere mich wieder um Karten, wenn ich mein Wimmelbuch ausgelesen habe. Und das dauert.