Das Cineplex in Elmshorn ist ein Ort der Einkehr. Nur vor die Tür gehen darf man nicht

Holz vor der Hütte

Foto: privat

AM RAND

Klaus Irler

Es gibt Filme, die das Leben verändern können. Also nicht gravierend, aber ein bisschen, weil diese Filme eine neue Perspektive aufmachen oder eine verschüttete Sehnsucht hochholen. Was genau die Filme bewirkt haben, weiß man meist erst Jahre später. Deswegen dachte ich, es wäre interessant, mir ein paar jener Filme nochmal anzuschauen – und überlegte, welche das waren.

Dabei merkte ich, dass das Filmerlebnis in allen Fällen auch ein Kinoerlebnis war. Zu jedem guten Film fiel mir sofort ein, in welchem Kino ich ihn gesehen habe, wie groß es war, wie das Foyer aussah, wie es roch. Kinos sind beseelte Orte. Das gilt sogar für solche, die in Gewerbegebieten neben der Autobahn stehen – wie das Cineplex in Elmshorn.

Dorthin fahre ich neuerdings öfter, ein Freund von mir wohnt in Elmshorn und ich bin vom Hamburger Stadtrand aus schnell da. An unseren Kinoabenden gehen wir immer erst in die einzige Kneipe vor Ort – sie heißt „Scheune“ und hat auch Pizza im Angebot. Dann gehen wir in das Cineplex, das aussieht wie alle Cineplexe dieser Welt und unter der Woche fast menschenleer ist.

Niemals muss man reservieren, nie anstehen. Wenn man ein paar Minuten nach dem Beginn kommt, hat die Kassiererin die Kasse schon heruntergefahren und fährt sie freundlich nochmal hoch. Beim Getränkeverkauf kommentiert die Tresenkraft den Film, den man vorhat zu sehen. „Den würde ich mir nochmal anschauen“, sagt sie und entschuldigt sich, dass die Popcorn-Maschine schon aus ist.

Verglichen mit Kinos wie dem Ottensener Zeise ist das Cineplex Elmshorn ein Ort der Einkehr und der Meditation. Der einzige Haken sind die Filme, die sie dort zeigen. Ich kann mittlerweile damit leben, wenn ein Film Schrott ist, so lange es irgendeinen Fitzel an Schauwert gibt. Bei den Cineplex-Filmen ist das immer die 3D-Technik und nie die Geschichte. Dabei wäre so ein leeres Cineplex gar kein schlechter Ort für jene Filme, die ich gerne mal wieder sehen würde: Amerikanisches Independent Kino, Jim Jarmusch, Figuren in Schwarz-Weiß, die am Rand leben und davonlaufen.

Aber Jim Jarmusch wird nicht stattfinden in Elmshorn. Ich glaube, das liegt unter anderem daran, dass gegenüber des Kinos eine Disco namens „Funhouse“ ist. Das Funhouse hat nicht nur geöffnet, nein, es veranstaltet Events. Kommendes Wochenende zum Beispiel das Event „Du und Dein Holz“. Das bedeutet: Wer ein Stück Holz mitbringt, darf bis 24 Uhr umsonst rein. Außerdem bekommen „Mädels-Gruppen ab 5 Girls“ bis ein Uhr eine Flasche Sekt geschenkt. Dieser Programmpunkt heißt „Holz-vor-der-Hütte“.

Für eine schwarz-weiße Jim-Jarmusch-Figur auf der Flucht ist das Funhouse wie ein Leuchtturm, der sagt: Du bist falsch hier. Dreh um und nimm die Autobahn Richtung Süden. In der nächsten Stadt kannst du hoffen, dass du etwas anderes findest. Und sei es nur ein schlechter Sitzplatz im voll besetzten Zeise.