: Preis für Knast-Bibliothek
AUSZEICHNUNG Die Gefangenenbibliothek der Justizvollzugsanstalt Bremen hat den diesjährigen Bibliothekspreis der VGH-Stiftung erhalten
Der Gefangenenbibliothek in der Justizvollzugsanstalt Bremen wurde am Donnerstag der mit 5.000 Euro dotierte Bibliothekspreis der VGH-Stiftung 2016 überreicht. Die Jury würdigte mit der Vergabe den Modell-Charakter der Einrichtung als „gelebtes Beispiel für Demokratie“.
Die Gefangenenbibliothek ist deutschlandweit die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek hinter Gefängnismauern. Damit, so die Jury, werde die Stadtbibliothek in vorbildhafter Weise ihrer gesetzlich festgelegten Aufgabe gerecht, allen Teilen der Bevölkerung einen ungehinderten Zugang zu Informationen und Teilhabe zu gewährleisten.
„Gefängnis-Bibliotheken sind aus meiner Sicht als ‚Stiefkinder des öffentlichen Bibliothekswesens‘ zu bezeichnen“, sagte Laudator und Jury-Mitglied Henning Bleyl. Dies gelte, obwohl sie sich einer Klientel widmeten, für die das Lesen in einem sonst nirgendwo anzutreffenden Maß über all jene Qualitäten verfüge, die ihm immer zugeschrieben würden. Wenn Haftanstalten geistige Freiräume beherbergen sollten, „dann erfüllt die Gefängnisbibliothek diesen Anspruch in besonderem Maß“.
In den Regalen der Gefangenenbibliothek stehen rund 8.000 Bücher und andere Medien. Außerdem können die Nutzer weitere Medien aus dem Verbund der Bremer Bibliotheken bestellen. Die Jury zeigte sich insbesondere von der Nutzungsintensität der JVA-Bibliothek beeindruckt: Bei 450 Haftplätzen verzeichnet sie jährlich an die 10.000 Besuche.
Mit der Preisvergabe verbindet die VGH-Stiftung die Hoffnung, dass andernorts weitere Bibliotheken nach dem Bremer Beispiel entstehen.
2015 registrierte die Bremer Stadtbibliothek insgesamt knapp 2,2 Millionen Besucher bei gut 3,4 Millionen Ausleihen. Der Jahresetat beträgt etwas mehr als zehn Millionen Euro. Im Angebot sind fast 550.000 Medieneinheiten, darunter Bücher, Musik-CDs, Filme, Spiele, Zeitungen und Zeitschriften. (epd)
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