Zauberei ist seit Harry Potter eine Sache des Kinos. Im wirklichen Leben gibt es sie immerhin noch am Stadtrand

Im Zaubertheater

Foto: privat

AM RAND

Klaus Irler

Am Stadtrand sind Abendvergnügungen rar. Dafür ist das wenige, was dort passiert, oft aus besonderem Holz geschnitzt. Ich denke da etwa an ein Konzert der Band „Die Melker“, die in Schnelsen „Dorfrock frisch von der Weide“ spielten. Das hätte ich gerne gesehen, ging aber nicht, weil das Konzert ausverkauft war.

Oft ausverkauft ist auch eine Zaubershow, die regelmäßig in Fühlsbüttel statt findet. Ich war noch nie bei einer Zaubershow und bin aufmerksam geworden, weil alles so schräg klang: Die Show fand statt in einem „Zaubertheater“ namens „Magiculum“. Jeden Donnerstag zaubert dort Jan Logemann. Das Magiculum wiederum gehört der Vereinigung „Magischer Zirkel von Hamburg“, die es seit 1912 gibt.

Das Magiculum befindet sich in der Röntgenstraße, also zwischen Flughafen und Justizvollzugsanstalt. In der Straße stehen auf der einen Seite Bürokästen und ein Autohändler, auf der anderen Seite alte Wohnhäuser. Neben einem griechischen Restaurant ist eine Einfahrt, die zum Zaubertheater führt.

Kerzen auf dem Boden weisen den Weg durch eine moderne Tür, die von antiken Säulen eingefasst ist. Innen dann ein kleiner Schankraum, eine Bar aus Holz, ein Setzkasten mit Figürchen, Kartenspielen und Würfelbechern. An der Wand Kupferstiche mit Zauberszenen.

Der Theaterraum besteht aus einer Zuschauertribüne und einem Tisch, an dem der Zauberer zaubert. Es gibt hohe Wände und eine Deckenmalerei, die einen Himmel zeigt. Aus den Lautsprechern kommt Swing. Zaubern in Fühlsbüttel ist ein Ding der 20er-Jahre.

Der Zauberer selbst ist so um die 30, lange blonde Haare zum Zopf gebunden, schlanke Gestalt, moderner Anzug. Ohne Anzug könnte er ein Mitarbeiter von Greenpeace sein. 2012 hat er den ersten Platz in der Disziplin Kartenmagie bei der Weltmeisterschaft der Zauberkunst gewonnen. Jan Logemann ist Profi, buchbar auch für Hochzeiten und Firmenfeiern. Er kommt von der hellen Seite der Macht.

Rund 30 Leute sitzen vor ihm, das Theater ist damit voll. Bevor und während der Zauberer zaubert, erzählt er den Zuschauern, dass er jetzt viel reden werde, um die Zuschauer abzulenken. Das sagt er, weil mystischer Zirkus nicht sein Ding ist. Der Zauberer ist ein Illusionskünstler. Dann lässt er Münzen verschwinden, Geldscheine erscheinen und Karten tanzen.

Logemann ist sehr gut in dem, was er macht, alles geschieht direkt vor den Augen der Zuschauer und niemand weiß, wie’s geht. Das Problem ist nur: Es klappt immer.

Ein Kunststück, das immer gelingt, ist schnell langweilig. Aber das Publikum, altersmäßig gemischt und bürgerlich stabil, mag es, wenn die Dinge gelingen. Das hebt die Stimmung der Leute, viele stehen nachher am Tresen und trinken Bier und Sekt. Ich hingegen löse mich in Luft auf. Bald gibt es wieder ein Konzert der Melker in Schnelsen. Kann sein, dass ich nicht dabei bin.