Andreas Hergeth würdigt einen Schwulenaktivisten der ersten Stunde

Ein verdientes Kreuz für Gerhard Hoffmann

Gerhard Hoffmann Foto: Engelsmann/Caro

Same procedure as every year: das Lesbisch-schwule Stadtfest rund um den Nollendorfplatz wird seit Ewigkeiten von ein und demselben Mann eröffnet: Gerhard Hoffmann. Er trägt dabei vorzugsweise ganz leger karierte Hemden.

Hoffmann ist einer der Mitbegründer und Organisatoren des dreitägigen Straßenfestes, das seit 25 Jahren nicht nur Lesben und Schwule, Bisexuelle und Transgender in den Bann zieht, sondern auch Heterosexuelle anlockt – in Berlin sagt man gern „mit Kind und Kegel“. Zwischen politischen Talkshows, bunten Bühnenprogrammen, DJs, vielen Infoständen und noch mehr Getränke- und Imbissangeboten wälzen sich dann Jahr für Jahr Hunderttausende durch die Motzstraße und die umliegenden Straßen. So kommt man sich näher. Im Wort- wie im übertragenen Sinne.

Eine Erfolgsgeschichte, die endlich dekoriert gehört – gewissermaßen von höchster Stelle: am heutigen Freitag erhält Hoffmann das Bundesverdienstkreuz. Die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, wird es ihm im Roten Rathaus überreichen. Hoffmann hat es in der Tat verdient, dieser „Basisarbeiter, der von depressiven Allüren vieler anderen Homo-Kader eher unangekränkelt blieb“, wie es taz-Kollege Jan Feddersen, der Hoffmann gut kennt, so schön beschreibt.

Gerhard Hoffmann setzte sich bereits seit Mitte der 70er Jahre für die Gleichstellung homosexueller Menschen ein. Er „war schon öffentlich schwul, als sich selbst die meisten Heteros nicht trauten, das Wort schwul auszusprechen beziehungsweise es unfallfrei auszusprechen vermochten“, berichtet Feddersen.

1977 hat Hoffmann die Kneipe „Anderes Ufer“ in Schöneberg mit aufgebaut – das erste Berliner Café mit offen schwulem Charakter. Er engagierte sich in der legendären Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW), hat ausgeteilt, konnte aber auch einstecken. Und auf seine Initiative hin wurde 1996 vor dem Rathaus Schöneberg die Regenbogenfahne gehisst – eine Premiere in Deutschland.

Der nun Ausgezeichnete ist also ein echtes Urgestein der Schwulenbewegung. Gratulation!