heute in hamburg

„Sicherheit ist Priorität“

SOLIDARITÄT Seit 25 Jahren schickt Peace Brigades International Freiwillige auf Schutzmissionen

Alex Klüken

Foto: Gabriele Goschke

40, war als PBI-Freiwilliger in Kolumbien und Kenia und ist seit 2014 Koordinator von PBI-Deutschland.

taz: Herr Klüken, wie kann man in Konfliktregionen bedrohte Menschen schützen?

Alex Klüken: Indem man Menschenrechtsverteidiger bei ihrer Arbeit, in ihrem Büro, bei Terminen und bei Reisen in abgelegene Regionen begleitet, etwa zu Gemeinschaften, die von gewaltsamer Vertreibung bedroht sind. Peace Brigades International (PBI) symbolisiert auf diese Weise: Die internationale Gemeinschaft schaut zu, und wenn diesen Leuten etwas passiert, wird das Konsequenzen haben.

Wie haben Sie selbst Ihren Einsatz erlebt?

In Kolumbien habe ich bedrohte Menschen begleitet, die Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen wurden und traumatisiert sind. Es ist unbeschreiblich, wenn dir jemand gegenüber steht und sagt: „Ohne PBI hätten sie mich schon längst umgebracht.“ Das ist im kolumbianischen Kontext nicht übertrieben.

Wie gefährlich ist das für die Freiwilligen?

Die Sicherheit der Freiwilligen ist oberste Priorität, weil wir nur schützen können, wenn wir selber sicher sind. Deswegen sind Risiko-Analysen Teil der Arbeit. Unsere Begleitung vor Ort wird ergänzt durch die Advocacy-Arbeit: Wir treffen zivile und militärische Autoritäten des Landes und drücken unsere Besorgnis über konkrete Bedrohungen von Menschenrechtlern aus. Gleichzeitig halten wir auf internationaler Ebene Kontakt zu Entscheidungsträgern wie den Vereinten Nationen oder in Deutschland zur Regierung und Bundestagsabgeordneten.

Wo gibt es Erfolge?

Ich hatte das Privileg, eine gewaltsam vertriebene Gemeinschaft bei der Rückkehr auf ihr Land zu begleiten. Es war furchtbar zu sehen, unter welchen Umständen sie während der Monate ihres internen Exils lebten, und wunderbar, wie sie auf ihr Land zurückkehren konnten.

Wer kann als Freiwilliger mit PBI ins Ausland gehen?

Ein Freiwilligendienst bei PBI ist grundsätzlich ab Mitte 20 möglich. In Kenia hatte ich eine Team-Kollegin aus England und wir haben dort ihren siebzigsten Geburtstag gefeiert. Der Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess ist sehr intensiv und dauert mehrere Monate.

Wie kann man PBI unterstützen?

Wir brauchen immer Spenden, aber auch freiwillige Mitarbeit ist wichtig und willkommen.

Interview Jochen Schüller

„25 Jahre PBI“. Alternative Hafenrundfahrt: 18 Uhr, Barkasse „Anita Ehlers“, Anleger Vorsetzen. Jubiläumsfeier: 20 Uhr (Eintritt frei)