heute in Bremen: „Postkoloniale Klimapolitik“
VORTRAG Der Arbeitskreis kritische Geografie setzt sich mit dem Thema Kolonialismus auseinander
49, ist Geografin, Umwelt- und Stadtforscherin/aktivistin sowie Dozentin an der Uni Bonn.
taz: Frau Bauriedl, inwiefern hat Geografie mit Kolonialismus zu tun?
Sybille Bauriedl: Historisch ist Geografie eine deskriptive Wissenschaft, die unbekannte Erdräume beschreiben sollte. Um Kolonialgebiete erschließen zu können, arbeitete sie eng mit der Kartografie zusammen. Es gab um 1900 einen regelrechten Wettbewerb darum und ein großes öffentliches Interesse, welche Geografen neues Wissen über unbekannte Landschaften mitbrachten.
Und das hat sich geändert?
Ja, aktuell hat sich die Geografie sehr weit davon wegbewegt. Die meisten Geografen weigern sich mittlerweile, Karten zu zeichnen, weil sie wissen, dass damit Politik gemacht wird. Nicht ohne Grund gibt es die „kritische Geografie“ – wir treffen uns ja heute auch auf Einladung des Bremer Arbeitskreises im Lagerhaus.
An welchen Stellen muss die Geografie ihr koloniales Erbe aufarbeiten beziehungsweise Lehren daraus ziehen?
Eine Frage, die sich beispielsweise anschließt an die kolonialen Verhältnisse, ist: Wo kommt eigentlich das Geld für die Forschung her? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist ja quasi Nachfolge-Organ des deutschen Kolonialministeriums. Auch die Anfänge der geografischen Entwicklungsforschung liegen in der Kolonialgeografie.
Und heute?
Heute untersucht sie vor allem globale Ungleichverhältnisse und resultierende lokale Konflikte wie beispielsweise die Landnahme für Agrartreibstoffe, die einer emissionsarmen Mobilität dienen sollen. Unter den Folgen dieser internationalen Klimaschutzpolitik leiden vor allem die Menschen im globalen Süden.
Heute Abend werden Sie gemeinsam mit einem Historiker über postkoloniale Geografie sprechen …
Ja: Ausgehend von der Kolonialgeschichte der Geografie, die natürlich am besten ein Historiker erklären kann, wird von mir der Bogen zum Themenkomplex postkoloniale Klimapolitik geschlagen, um zu zeigen, dass die Aufarbeitung der Geschichte in einem unmittelbaren Zusammenhang zu aktueller Forschung und Lehre steht.
INTERVIEW: SCHN
16 Uhr, Mediencoop im Lagerhaus
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