Art Cologne

Barometer des Luxus auf drei Etagen

Die Besucher werten den Wettbewerb als stark verdichtetes Kunsterlebnis

In Frankreich finden sie einen Caravaggio auf dem Dachboden, auf der Art Cologne suchen sie das Glück in Gestalt eines Kunstwerks, das ein bisschen unter Wert gehandelt wird, das noch nicht die volle Aufmerksamkeit des Markts hat, das ultimativ marktfrisch ist oder die Arbeit eines Newcomers mit quasi vorhersagbarer Marktperformance. Ein Spiegelbild unseres steten Mühens hienieden.

Wer gute Nerven hat, ein ebenso gutes Auge, dabei willens (und in der Lage ist) in Kunst zu investieren – nicht nur pekuniär, sondern schon auch mit Haut und Haar, der ist auf der Art Cologne, die in diesem Jahr ihr fünfzigstes Jubiläum begeht, richtig. Freilich gibt es Arbeiten im Millionenwert. Von Günther Uecker, von Cy Twombly, auch von Marc Chagall und Ernst Ludwig Kirchner. Doch schon immer war die Preisspanne auf der rheinischen Messe in einem in der Regel publikumsfreundlichen Maß, die Teilnehmer bestücken ihre Kojen mit Bedacht.

Wie leichtfertig man seinen Ruf aufs Spiel setzen kann, hat die von Anbeginn prestigereiche Art Cologne vor einigen Jahren schmerzhaft erfahren müssen. Uninspiriertes Management, Ausstellerklüngel und das gefährlich verengte Augenmerk auf größtmögliche Auslastung unter Vernachlässigung minimalster Qualitätsanforderungen führten dazu, dass die Karawane mit vielen namhaften Ausstellern und damit eben auch den potenten, den neugierigen Sammlern weiterzog.

Alles ist noch mal gut gegangen. Die Messe präsentiert sich unter der Leitung von Daniel Hug in professioneller Frische und auf solidem Qualitätsniveau. Wobei, das liegt in der Natur der Sache und ist andernorts auch nicht anders, etliche Aussteller mit dem – warum auch immer – falschen Programm oder schwer verdaulichen Preis­erwartungen auf die Nase fallen könnten. Die Konkurrenten präsentieren sich dicht getaktet, da kann es rasch zu unvorteilhaften Vergleichen kommen.

Das schert die Besucher, von denen beileibe nicht alle Sammler oder wenigstens Gelegenheitskäufer sind, weniger. Sie werten den hautnah geführten Wettbewerb auf ihrem Parcours durch die dreistöckige Halle je nach Lust, Laune und Potenzial als stark verdichtetes Kunsterlebnis, als hochaktuelles Market Update, auch als Barometer des Luxus und der Moden. Der Andrang zur Eröffnung war jedenfalls groß. Annegret Erhard