Frauenfußball in den Medien: Das Rund ist leer

Die Frauenfußball-WM in China wird in dreimal mehr Länder übertragen als noch die WM 1999. Doch ist das Interesse wirklich gestiegen?

Schlecht besuchte Ränge - Die Spielerinnen bleiben trotzdem am Ball. Bild: dpa

Joseph S. Blatter hat einen Masterplan. Der Präsident des Fußballweltverbandes (Fifa) will den Frauenfußball überall auf dem Globus verankern. "Wir möchten diese WM zu einem Weltereignis machen", hat der geschäftstüchtige Schweizer gesagt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, denn Frauenfußball ist eine Randsportart, und die Fifa veranstaltet gerade erst ihre fünfte Weltmeisterschaft. Immerhin in 200 Länder gehen Fernsehsignale, auch in Frauenfußballgroßmächte wie Burundi, Vanuatu und Amerikanisch-Samoa. Darüber hinaus bietet die Fifa Fernsehen im Internet an, allerdings nur in Europa.

Anfangs berichteten 900 Journalisten aus Schanghai, Wuhan, Tianjin und Hangzhou, darunter 550 Chinesen. Das sind die offiziellen Zahlen - aber die sind übertrieben. Aus den USA sind sieben Schreiber gekommen, aus Deutschland kam ein gutes Dutzend. Die Reisegruppe der deutschen Printjournalisten besteht dabei etwa zur Hälfte aus Frauen; bei der Männer-WM 2006 machten die Journalistinnen nur etwa 5 Prozent aus. Sportjournalismus ist eine Männerdomäne - vielleicht liegt es auch daran, dass Frauenfußball die große Aufmerksamkeit fehlt.

Die Pressetribünen in den Stadien sind ziemlich leer, die Ränge wären es auch, würden sie nicht mit hunderten von Komparsen aufgefüllt. Die Sportbegeisterung hält sich laut Experten in China ohnehin in Grenzen. Das war beim Eröffnungsspiel der Deutschen gegen Argentinien (11:0) zu sehen, als die Hälfte der Zuschauer schon zur Halbzeit die Arena verließ.

Beim verregneten Match der USA gegen Nigeria staunten die Spielerinnen über ein gähnend leeres Rund. Auch die Journalisten vor Ort konnte man an zwei Händen abzählen. Dabei hätten es weit mehr sein können, doch die Fifa gab an diesem Tag so gut wie keine Matchtickets aus, weil der Regen auch auf die Pressetribüne niederging. Ein vergleichbarer Vorfall bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hätte zu bösen Schlagzeilen und einem Sturm der Entrüstung geführt, ebenso die sehr schlechten Platzverhältnisse in Schanghai und das dürftige Krisenmanagement der Fifa beim Heranziehen des Taifuns "Wipha"; der Weltverband verlegte Spiele hin und her, als habe man Spaß an der Match-Rochade. Das alles verleiht dem Turnier den Anstrich einer semiprofessionellen Veranstaltung.

Nichtsdestotrotz wird mehr über Frauenfußball berichtet. Die Weltmeisterschaft 1999 in den USA wurde seinerzeit nur in 67 Länder übertragen. 2003, ebenfalls in den Vereinigten Staaten, waren es bereits 144 Nationen, fast 3.000 Stunden Sendezeit und schätzungsweise 526 Millionen Fernsehzuschauer in der ganzen Welt. In Deutschland ist das Interesse abhängig vom Erfolg der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Übertragende Sender gibt es genug: ARD, ZDF und Eurosport zeigen WM-Spiele. Die Quoten sind nicht überragend, aber auch nicht wirklich schlecht.

Beim Eröffnungsspiel schauten im ZDF durchschnittlich 2,5 Millionen zu, was einem Marktanteil von etwa 20 Prozent entspricht. Die Partie Deutschland - Japan (ARD) wollten 2,2 Millionen sehen, Deutschland - England im ZDF dann nur noch 1,8 Millionen. Anderswo läuft es besser. Der schwedische Sender TV4 erreichte mit seinen Übertragungen bis zu 56,8 Prozent Marktanteil - das Match der schwedischen Nationalmannschaft gegen Nigeria (1:1) war ein Quotenhit. Dumm nur, dass die Schwedinnen schon in der Vorrunde rausflogen.

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