Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Mit Vorstandschef Döpfner macht endlich einer Ernst mit der Forderung "Enteignet Springer". Von dessen Radikalität könnte sich die Koalition beim Klimaschutz eine Scheibe abschneiden.

Friedrich Küppersbusch ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

taz: Was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Springer-Chef Döpfner spricht im Spiegel bereits im pluralis majestatis: "Unser Vertrauen in Politikerzusagen war nie sehr hoch. Jetzt ist es unter null."

Was wird besser in dieser?

Wegen des Mindestlohns wähnt Döpfner, mit dem Postdienst PIN "bis zu 600 Millionen verbrannt" zu haben. Endlich mal einer, der Ernst macht mit "Enteignet Springer".

Die USA haben beim Klimagipfel so lange es ging auf die Bremse getreten. George W. Bush ist sogar das magere Ergebnis zu viel. Warum sind die USA so uneinsichtig?

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Die US-WählerInnen werden den Ölfleck im Amt bald abstreuen.

Was müsste passieren, damit solche Gipfel effektivere Ergebnisse erzielen?

Terminlich direkt hinter bildstarke und damit TV-kompatible Naturkatastrophen setzen.

Ist die Rolle der Deutschen beim Klimaschutz so vorbildlich wie die Regierung tut?

Wir ruhen uns immer noch auf der Stilllegung einer ganzen Volkswirtschaft - derjenigen der DDR - aus, indem allerhand CO2-Ziele aus metaphysischen Gründen "ab 1990" berechnet werden. Und - die deutsche Autoindustrie hat Innovationen von Gurt über Kat bis Hybrid und weiter längst nach Florida und Kalifornien geliefert, als sie uns hier noch erzählen durfte, so was sei ja technisch im Grunde nicht machbar. So ging die technologische Marktführerschaft indes nach Japan. Um schließlich, drittens, die alternativen Energien so steuerlich zu subventionieren wie ehedem die Atomindustrie, müsste die Bundesregierung den Windkrafterzeugern Schleswig-Holstein zum Spielen schenken. Immerhin - soweit sich mit Umweltschutz Geld verdienen lässt, ist die deutsche Wirtschaft von Rot-Grün ein bisschen wachgestubst worden, etwa im Bereich der Windkraft.

Die sächsische Landesbank hat bei Spekulationsgeschäften auf dem US-Immobilienmarkt Milliarden in den Sand gesetzt. Was könnten solche Desaster verhindert werden?

Höhere Sichteinlagen und mehr Transparenz - kann ich nur laienhaft fordern. Also - obendrauf ist mir auch die Großmannssucht unklar, mit ungefähr null Ahnung mal den ganz dicken Hecht im internationalen Finanztümpel zu geben. Jedenfalls, US-Versicherungen und -Banken haben seit jeher viel weniger Anlegerschutz und dadurch viel mehr Investitionsmöglichkeiten. Gehen auch viel schöner pleite - das können unsere gesetzlichen Versicherungen und Banken gar nicht. Dann sollten sie aber auch nicht in Windeln zur Abi-Prüfung antreten.

In Hessen hatte Roland Koch vor einer Woche zum ersten Mal bei Umfragen keine Mehrheit mehr. Ist Rot-Rot-Grün dort nach den Wahlen am 27. Januar denkbar?

Immerhin kann man die Entscheidung der hessischen GenossInnen nicht von der Hand weisen, mit Frau Ypsilanti nicht den Roland-Koch-Ähnlichkeitswettwerb, sondern einen akzentuierten Gegenvorschlag aufzustellen.

Am Freitag werden offiziell die deutsch-polnischen Grenzen geöffnet. War die Erweiterung der Europäischen Union um Polen, Ungarn, das Baltikum und die Slowakei richtig? Oder zu früh?

Richtig, um die EU so zu lähmen und Manipulationen zu öffnen, dass keiner Angst vor ihr bekommt - nicht mal George Bush. Falsch also für eine zügige Föderalisierung der Bundesrepublik Europa.

Beim Streit um das Kosovo fordern manche, Serbien die EU-Mitgliedschaft in Aussicht zu stellen, das dafür die Unabhängigkeit Kosovos akzeptiert. Wäre das ein kluger Deal?

Wenn man schon mal verdrängt, dass die überhastete Anerkennung Kroatiens und Sloweniens - mit nationalistischen Führern und skrupellosen Regionaltyrannen - geradeaus in die Balkankriege der 90er führte, kann man das sicher gut noch mal machen. Zumal beim Thema Serbien sich in der Regel Moskau unmittelbar persönlich angesprochen fühlt.

Claus Kleber will nicht Spiegel-Chef werden. Und nun?

Muss das ZDF allerhand Versprechungen einlösen. Spiegel-Chef ist in Wirklichkeit gar kein Verfassungsamt und, okay, Köhler ist wirklich eine uninteressante Personalie, aber können wir trotzdem mal lieber über dessen Nachfolgerin reden?

Und was macht Borussia Dortmund?

Magath sagte, er habe seine Wolfsburger "spaßorientiert" trainieren lassen also ein Kilo Blei weniger im Geländelauf-Rucksack. Ich weiß auch nicht, das war schlichtes Sich-weghauen-Lassen nach zwei guten Spielen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de