Kurt-Wolff-Preis für Matthes & Seitz : Im besten Sinne anspruchsvoll

Der Berliner Verlag Matthes & Seitz bekommt den diesjährigen Kurt-Wolff-Preis - einen Bestseller-Garanten. Mit einem intellektuell stimulierenden Programm.

Auszug aus dem Herbstprogramm. Bild: screenshot matthes & seitz

Investoren suchen, Imprint werden, fusionieren. Über Zukunftsmodelle unabhängiger Kleinverlage wird gerade viel diskutiert. Umso erfreulicher, dass jetzt auch mal wieder ein kleiner Verlag durch seine inhaltliche Arbeit ins Gespräch kommt: Der mit 26.000 Euro dotierte Kurt-Wolff-Preis zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene geht in diesem Jahr an den Verlag Matthes & Seitz Berlin und seinen Verleger Andreas Rötzer, 36. Ausgezeichnet werden damit laut Begründung der Jury das exzellente Gesamtprogramm und die originellen Einzelprojekte des Verlags, der seit seiner Neugründung 2003 in Berlin ansässig ist.

Seine Ursprünge hat der Verlag in dem seit 1977 bestehenden Münchener Verlag Matthes & Seitz, der sich vor allem durch die Übersetzung von Autoren wie Bataille, Leiris oder Artaud einen Namen gemacht hat. Der promovierte Philosoph Rötzer hat diese Tradition einerseits fortgesetzt und andererseits seinem Verlag ein eigenes Profil mit einem im besten Sinne intellektuell anspruchsvollen Programm gegeben. Auch schwierige und abseitige Themen nicht zu scheuten, das zeichnet den Verlag aus. Große Anerkennung fand im vergangenen Jahr vor allem die sorgfältige Edition der Gulag-Erzählungen von Warlam Schalamow, die den Auftakt einer fünfbändigen Werkausgabe bilden und durch die ein neben Alexander Solschenizyn zu Unrecht übersehener Chronist stalinistischer Verbrechen und glänzender Autor wiederentdeckt worden ist. Im kommenden Frühjahr wird es neben dem preisgekrönten Roman "Rio Bar" der jungen kroatischen Autorin Ivana Sajko unter anderem neue Bücher zu Kierkegaard und Heidegger geben.

Dass Rötzer mit seinem Verlag weder unbedingte Jugendlichkeit zelebriert noch Wert auf einen stylishen Auftritt legt, mag dazu führen, dass nicht immer alle Projekte die öffentliche Aufmerksamkeit finden, die sie verdient hätten. Möglicherweise wird das durch die Auszeichnung jetzt ein bisschen anders. Zwar ist der Kurt-Wolff-Preis nicht der deutsche Buchpreis, der innerhalb kürzester Zeit zu einem Bestseller-Garanten geworden ist. Schön wäre aber schon, wenn auch Matthes & Seitz Berlin etwas von dem medialen Fahrtwind solcher Preise abbekommen würde.

Denn hier trifft es einen, bei dem es sich lohnt. Gerne würde man Rötzer nach der Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse im März mal ausgelassen auf dem Tisch tanzen sehen. Grund genug hätte er. Aber das ist eher so ein kleiner persönlicher Wunsch und sehr unwahrscheinlich. Lassen wirs also bei der Hoffnung auf mehr Leser für schöne Bücher.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de