Protest der Berliner Zeitung: Depenbrock bleibt hart

Trotz Redaktions-Rebellion will der "Berliner Zeitung"-Chef Josef Depenbrock nicht zurücktreten. Redakteure schicken Protestschreiben raus.

Raus mit den Insekten: Protest bei der Berliner Zeitung. Bild: dpa

Die Redaktion der Berliner Zeitung produzierte am Donnerstag nebenbei auch eine aktuelle Ausgabe. Fast alle wesentlichen Themen enthalten - nur eines fehlte: der Protest der Redaktion gegen Chefredakteur Josef Depenbrock und den Eigner des Mecom-Konzerns, zu dem die Zeitung gehört, David Montgomery.

Am Donnerstag war es zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen: Nachdem Depenbrock weitere Sparmaßnahmen bei der unter Renditedruck stehenden Redaktion angekündigt hatte, forderten ihn die aufgewühlten Mitarbeiter zum Rücktritt und Montgomery zur Entwicklung einer anderen Strategie auf - oder zum Verkauf. Am Freitag teilte Depenbrock der Redaktion mit, er trete nicht zurück, weder als Geschäftsführer noch als Chefredakteur - seine Doppelrolle ist Teil des Konflikts mit ihm. Für die taz war er nicht zu sprechen.

Im Schreiben der Redaktion an ihn, das am Donnerstag nach taz-Redaktionsschluss an die Presse verschickt wurde, heißt es: "Sie sind entweder nicht willens oder nicht in der Lage, die Redaktion angemessen zu führen. Ihre mehrfach geäußerte Anschauung, die Redaktion lasse sich per Autopilot leiten, zeigt Ihr mangelndes Verständnis der Aufgaben des Chefredakteurs einer Qualitätszeitung." Und: "Herr Depenbrock, wir haben das Vertrauen in Sie verloren. Treten Sie zurück!" Depenbrock hatte sich nicht bereiterklärt, den Brief in der eigenen Zeitung zu drucken - also verschickte die Redaktion ihn an die Presse. Den Schaden, der einer Zeitung möglicherweise dadurch entsteht, dass sie selbst in die Schlagzeilen gerät, bewertete sie als geringer als den Schaden, der ihr entsteht, wenn sie - wie unter Montgomery - "absurde Renditeziele" erfüllen müsse. Im Schreiben ist von bis zu 20 Prozent die Rede.

Montgomery legte die Redaktion nahe, eine "langfristige und publizistisch kohärente Geschäftsstrategie" zu entwickeln - oder "im Interesse der Zeitung und ihrer Leser nach einem neuen, geeigneten Eigentümer für die Berliner Zeitung zu suchen".

Am Donnerstagabend fand dann der Neujahrsempfang des Berliner Verlags statt. Man repräsentierte. Der Party-Talk aber soll weitgehend monothematisch gewesen sein. Wenig repräsentatives Thema: der Aufstand der Redaktion.

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