Grünes Engagement großer Stromkonzerne: Peanuts für die Natur

Zwar investieren Eon in erneuerbare Energie, doch viel mehr Geld gibt der Konzern für neue Kohlekraftwerke und die Atomkraft aus.

Bis 2010 will Eon 30 Millarden Euro in konventionelle Kraftwerke - und nur sechs Millarden für erneuerbare Energien. Bild: dpa

DÜSSELDORF taz Es sind harmonische Bilder, mit denen sich Eon der Öffentlichkeit präsentiert. Im aktuellen Fernseh-Werbespot stapft ein smarter braunhaariger Mann über einen Sandstrand, um den Zuschauern zu präsentieren, wie wichtig dem größten deutschen Stromerzeuger erneuerbare Energien sind. "Gezeitenkraftwerk" heißt die Idee, die der Moderator im Spot vorstellt und welche Eon gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Lunar Energy umsetzen will. Das System soll ab 2010 rund 5.000 Haushalte mit Strom versorgen. So viel zur Öffentlichkeitsarbeit von Eon. Tatsächlich existiert bisher nur das Modell einer Unterwasserturbine. Ob die den Praxistest besteht, wird von Experten bezweifelt.

Eon hat 2007 seinen Gewinn deutlich gesteigert und sieht sich weiter auf ungebremstem Wachstumskurs. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn sei um 10 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Versorger mit. In Deutschland konnte Eon 300.000 neue Kunden gewinnen. Der Konzern profitiert dabei vom Erfolg seines vor einem Jahr gegründeten Billiganbieters "E wie einfach", der bundesweit Strom- und Gas zu Preisen unter den Tarifen der Stadtwerke anbietet. RWE hatte kürzlich mitgeteilt, wegen des wachsenden Wettbewerbs auf dem Strommarkt 2007 etwa 250.000 Kunden verloren zu haben.

"Diese Werbespots sind sehr kontraproduktiv", sagt Kai-Uwe Graw, Ingenieur am Institut für Technische Hydromechanik an der TU Dresden. Statt über Klimaschutz aufzuklären, werde eine "nicht ganz seriöse" Technologie vorgestellt. Doch was im Fernsehen gut aussieht, hat im Detail viele Macken. Zwar gibt es schon heute Gezeitenkraftwerke, so etwa im französischen St.-Malo. Im Gegensatz zum Eon-Vorschlag wurden die Turbinen dort in eine Staumauer integriert. Das Wasser hat keinen anderen Ausweg, als durch die Turbinen zu fließen und so Strom zu erzeugen.

Eon will sein Gezeitenkraftwerk, das aus bis zu acht Turbinen bestehen soll, jedoch am Meeresgrund errichten, ohne das Wasser künstlich zu stauen. Damit der Druck hoch genug ist, um Elektrizität zu gewinnen, müssen sich die Propeller hierbei in einem metallischen Kanal drehen. Das erzeugt Produktionskosten, die bis zu doppelt so hoch liegen können wie bei den herkömmlichen Systemen. Weil die Wetterverhältnisse auf See eine Wartung nicht immer zulassen, dauert der Austausch von Einzelteilen zudem besonders lange.

Ein anderes Projekt, mit dem Eon derzeit auf seiner Website Werbung für sein Umweltschutzengagement macht, sind Mikroalgen. "Um unsere Umwelt und unser Klima zu schützen, lassen wir uns einiges einfallen", heißt es dazu auf der Eon-Seite. Die Algen sollen in neuartigen Filtern Kohlendioxid aus den Abgasen von Kraftwerken binden. Das System funktioniert, ist jedoch laut dem Biologen Dieter Hanelt von der Uni Hamburg "nicht geeignet, das Weltklima zu schützen". Erstens müsste man für die komplette Filterung des Rauchgases für ein modernes 600-Megawatt-Kraftwerk ganz Hamburg mit den "Bioreaktoren" zustellen, zweitens binden die Algen das CO2 nicht dauerhaft.

Wer gerade keinen Wissenschaftler zur Hand hat, bei dem dürfte nach solchen Ankündigungen hängenbleiben, dass Eon sich mit hochinnovativen Verfahren für den Klimaschutz einsetzt. So kann leicht davon abgelenkt werden, dass der gleiche Konzern Betreiber oder Teilhaber von 11 der 17 deutschen Atomkraftwerke ist. Oder dass Eon gleichzeitig plant, bis zum Jahr 2014, so der aktuelle Geschäftsbericht, in Europa und Russland mindestens 8 weitere Kohlekraftwerke zu bauen. Bis 2010 wollen die Düsseldorfer über 30 Milliarden Euro in den Neubau und Ersatz von konventionellen Kraftwerken stecken, also vorwiegend solche auf Basis von Kohle und Gas. Zum Vergleich: Rund 6 Milliarden Euro sollen in die Erneuerbaren fließen, vor allem in Offshore-Windparks und Biogasanlagen.

Das Engagement für regenerative Energieträger sollte zwar nicht unterschätzt werden - im vergangenen Jahr wollte Eon nur die Hälfte der Summe für diesen Bereich ausgeben. Doch langfristig möchte Eon-Chef Bernotat auch auf Atomkraft und Kohle nicht verzichten.

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