Präsident Mugabe gibt nicht auf: Milizen terrorisieren Simbabwe

Während Simbabwe Präsidentschaftswahl-Ergebnis und Stichwahl wartet, haben militante Anhänger von Mugabe eine neue Terrorkampagne gestartet.

In Südafrika ist Protest wegen Simbabwe noch möglich: Musina, nahe der simbabwischen Grenze. Bild: ap

MACHEKE taz Vor einer Woche feierten die Menschen in Macheke noch. Die Zanu-PF (Simbabwe Afrikanische Nationalunion) von Simbabwes Präsident Robert Mugabe hatte die Parlamentswahl verloren, die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl schien ebenfalls sicher. Zum ersten Mal seit zehn Jahren hatten die Bewohner der Kleinstadt 120 Kilometer außerhalb der simbabwischen Hauptstadt Harare wieder das Gefühl, offen reden und an die Zukunft glauben zu können.

Um über die sich zuspitzende Krise in Simbabwe zu beraten, hat Sambia gestern als amtierender Vorsitzender der Regionalgemeinschaft SADC (Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrka) einen SADC-Sondergipfel für Samstag anberaumt. Alle Länder der Region müssten gemeinsam eine Lösung finden, sagte Sambias Präsident Levy Mwanawasa. Zuvor hatte Südafrikas ANC-Vorsitzender Jacob Zuma als erster Politiker der Region offene Kritik an Simbabwe geäußert. "Die Wahlkommission hätte Ergebnisse verkünden müssen", erklärte er gegenüber Südafrikas größter Tageszeitung Star. In Simbabwes Hauptstadt Harare dauerte derweil die Verhandlung vor dem High Court über einen Eilantrag der Opposition, die Wahlkommission zur Herausgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl zu zwingen, an. "Eine solche Anordnung wäre meines Erachtens gefährlich, weil ihr möglicherweise keine Folge geleistet würde", sagte vor Gericht der Anwalt der Wahlkommission, George Chikumbirike.

Dann kamen die Milizen, und die Hoffnung starb.

"Sie prügelten mit Stöcken, Stiefeln an den Füßen und ihren geballten Fäusten", beschreibt der 33-jährige Denford Rugoyi den Überfall der militanten Anhänger der Zanu-PF und zeigt seinen gebrochenen Arm und seine tiefen Wunden am Kopf. "Sie sagten, ich sei ein Verräter, weil ich die MDC unterstütze." Das ist die "Bewegung für Demokratischen Wandel" des Oppositionsführers Morgan Tsvangirai. "Das Schlimmste kommt erst noch", warnt Rugoyi. "Eine Stichwahl wird der Horror."

In einem Dorf in der Nähe versammelten die Milizen alle Bewohner mitten in der Nacht und erklärten, jetzt sei die Miliz an der Macht. In Macheke haben die Milizionäre Barbesitzern befohlen, früher zu schließen, und gesagt, sie würden sich um jeden "kümmern", der mit Wahlkampfmaterial der MDC herumlaufe.

"Nach sieben Uhr abends geht hier keiner mehr auf die Straße", sagt Trymore Tarumbwa, ein MDC-Unterstützer in der Stadt. "Es herrscht Ausgangssperre, und ich fürchte um mein Leben. Die Milizen kamen in mein Haus und sagten, ich sollte alle MDC-T-Shirts verbrennen. Wenn ich wieder für die Opposition werbe, wollen sie mich umbringen."

Das Signal, es könnte eine Stichwahl um die Präsidentschaft geben, haben die Milizen eindeutig verstanden: Diesmal sollen die Menschen mit Einschüchterung dazu gebracht werden, Mugabe zu wählen.

Weil beim ersten Durchgang am 29. März die Ergebnisse jedes Wahllokals öffentlich ausgehängt wurden, weiß jetzt jeder, wo die Hochburgen der Opposition sind. Macheke stimmte mit großer Mehrheit gegen die Regierung. "Deswegen werden wir jetzt Zielscheibe", sagt Thomas Mamina, ein Lehrer in Macheke.

Im ganzen Land gibt es Trainingslager, wo Jugendliche militärische Grundausbildung und kommunistische Ideologielehre erhalten. Eigentlich ist das die Vorstufe zum Wehrdienst, aber die Regierung hat kein Geld für mehr Soldaten, also bleiben die Jugendlichen nach der Ausbildung arbeitslos. Um Geld zu verdienen, lassen sie sich von der Partei anheuern.

"Wir machen, was man uns sagt", sagt ein Milizionär, der sich nur als Tarisai identifiziert. "Wenn man uns sagt: Schlagt den da zusammen, dann machen wir das, weil wir dafür bezahlt werden." Tarisai durchlief die Ausbildung 2004 und dient nun mit 12 Kameraden in Macheke. Er verdient monatlich 1,2 Milliarden Zim-Dollar (rund 10 Euro).

Simbabwes Opposition hat vor "Blut auf den Straßen" gewarnt und erklärt, 10 MDC-Aktivisten seien seit den Wahlen bereits der Milizengewalt zum Opfer gefallen. "Wir reagierten unzureichend auf Ruanda, und eine Million Menschen starben", warnte MDC-Generalsekretär Tendai Biti und rief Afrikas Regierungen auf: "Wartet nicht auf Leichen in den Straßen von Harare. Greift jetzt ein!"

Ein Wahlkampfmittel wird Nahrung sein. In Chizawana, ein Dorf 60 Kilometer außerhalb von Macheke, haben die Bewohner erfahren, dass sie keine Nahrungsmittelhilfe bekommen, weil sie MDC gewählt haben. Die Maisernte ist wegen Dürre ausgefallen, jetzt stehen die Leute vor dem Hunger. "Sie brachten eine Lastwagenladung Mais und verteilten ihn nur an Gebiete, die Zanu-PF gewählt haben", erzählt die 72-jährige Nyaradzo Manunure. "Sie sagten, wir werden verhungern, wenn wir sie in der Stichwahl nicht wählen."

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de