Stellenstreichungen bei Berliner Verlag & Co.: Willkommen in der Spargesellschaft

Bei der BV Deutschen Zeitungsholding sollen bis zu 200 Stellen gestrichen werden. Die Hauptlast trägt der Berliner Verlag - trotz schwarzer Zahlen.

Und wieder sind sie dran... Bild: dpa

BERLIN taz "Liebe Kolleginnen und Kollegen", schrieb gestern Josef Depenbrock per Rundmail an die MitarbeiterInnen der Berliner Zeitung, "sicher ist das Informationsinteresse zu den aktuell im Umlauf befindlichen Pressemeldungen hoch und ich will dazu gerne auch Stellung nehmen." Leider sei er am Donnerstag aber nicht im Hause, stelle sich am Freitag den Fragen des Betriebsrates und schlage "deshalb vor, dass wir das Thema in der Konferenz am Montag aufgreifen".

Das dürfte auch nötig sein: Sein am Mittwoch dem Konzernbetriebsrat angekündigtes "konzernweites Sparprogramm" soll zwischen 150 und 200 der insgesamt 930 Stellen bei der BV Deutsche Zeitungsholding treffen, zu der neben dem Berliner Verlag (Berliner Zeitung, Kurier, Tip) noch die Netzeitung und die Hamburger Morgenpost gehören. Die BV Deutsche Zeitungsholding gehört wiederum der britischen Mecom-Holding, geführt von David Montgomery. Und der muss bald höhere Renditen sehen - am liebsten in Höhe von 20 Prozent oder mehr.

Die Hauptlast der durch den Auflagenrückgang der meisten Titel nötigen Einsparungen soll dabei der Berliner Verlag tragen: Es geht um Auslagerungen ganzer Verlags- und Produktionsbereiche - und auch wieder um die Redaktion. Man werde 2009 "sicherlich weniger Redakteursstellen haben als in diesem Jahr", wird Depenbrock von Mitarbeitern zitiert. Schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte Depenbrock erklärt, ein Blatt wie die Berliner Zeitung lasse sich auch mit 90 RedakteurInnen machen - aktuell arbeiten dort knapp 130 JournalistInnen.

Der Druck auf Depenbrock kommt aus London: In der deutschen Mecom-Gruppe sollen 2008 nach Angaben des Konzernbetriebsrats rund fünf Millionen Euro zusätzlich zum ursprünglich beschlossenen Etat eingespart werden. Obwohl der Berliner Verlag nach den großen Verlusten im Jahr 2002 wieder sehr gut dasteht: 2006 wurde eine Gewinn von 7,9 Mio. Euro ausgewiesen, die anderen deutschen Mecom-Unternehmen schrieben ebenfalls schwarze Zahlen, so die Arbeitnehmervertreter. Dennoch macht die Gruppe Verluste: Da ihr die Kredite für den Kauf durch Mecom aufgebürdet wurden, zahlt sie kräftig an Zinsen und Tilgung.

Außerdem wollen die Mecom-Investoren - vor allem Rentenfonds - endlich Geld sehen. Der Aktienkurs war Anfang des Jahres dramatisch eingebrochen und hat sich bis heute nicht davon erholt. Für 2009 hat Montgomery die erste Dividendenausschüttung versprochen, die aber noch finanziert sein will.

Beim Stadtmagazin Tip werden schon Stellen abgebaut. "Das wird jetzt auch bei uns wieder richtig rundgehen", fürchtet ein Mitarbeiter der Berliner Zeitung. Leicht wird man es Depenbrock nicht machen: Der hatte nach dem jüngsten Exodus von vier Redakteuren erklärt, ihre Stellen würden nicht nachbesetzt, musste nach Interventionen der Ressortleiter und des Redaktionsausschusses aber zurückrudern. Depenbrock neige ohnehin dazu, bei starkem Gegenwind Entscheidungen umzuwerfen, doch dürfe man sich nicht täuschen lassen: "Seine langfristigen Ziele sind klar", heißt es im Verlag.

Schließlich ist Depenbrock, der seit Monaten keine Interviews mehr gibt, Chefredakteur wie Geschäftsführer bei der Berliner Zeitung. Ob er das auch bleibt, wird sich bald entscheiden: Ab dem 2. Juli verhandelt das Arbeitsgericht die Feststellungsklage des Redaktionsausschusses, der unter Berufung auf das Redaktionsstatut des Blattes gegen Depenbrocks Doppelleben vorgeht.

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