Fußballstar Cristiano Ronaldo verlässt das Turnier: Das letzte Lachen der EM

Mit Portugal verabschiedet sich der designierte Superstar von dieser Europameisterschaft. Cristiano Ronaldo scheiterte vor allem an seinem eigenen Team.

Nix war's mit Halbfinale: Cristiano Ronaldo. Bild: ap

BASEL taz Einen Scherz hatte er noch. Alle anderen Fußballer hatten bereits Aufstellung für das Viertelfinale genommen, die Gesichter ausdruckslos vor Hochkonzentration, aber Cristiano Ronaldo lief noch ohne größere Eile hinaus zur Ersatzbank und ließ sich von einem Betreuer Wasser geben. Er nahm einen großen Schluck - und tat, als würde er dem Betreuer das Wasser ins Gesicht spucken. Danach lachte er, frei und herzlich. Und niemand wusste, dass es schon sein letztes Lachen bei dieser EM gewesen war.

Gut zwei Stunden später gab es keine Küsschen mehr für die portugiesischen Reporterinnen von Cristiano Ronaldo wie noch nach jedem Vorrundenspiel. Der vorgeblich beste Fußballer der Welt verließ das Stadion in Basel nach dem Aus im Viertelfinale gegen Deutschland mit einer neuen Nüchternheit. "Ich spüre eine große Desillusion", sagte er, "und danke allen für die Unterstützung." Er war nun der EM-Star, der keiner wurde.

Stars wie er, die schon vor dem Turnier ausgerufen werden, ereilt meistens dasselbe Schicksal in drei Stufen. Erste Stufe: Sie werden, bevor ein Ball gespielt ist, in den Himmel geschrieben. Zweite Stufe: Die Medien werden ihrer eigenen Worte müde und bemerken erstaunt, dass da ja noch andere in seiner Elf spielen. Dritte Stufe: Seine Elf scheidet aus, und plötzlich war alles schlecht, der Star eine Riesenenttäuschung. Man wird verrückt, wenn man sich über die kranke Medienmaschine aufregt, aber es bleibt einem doch nichts anderes übrig, als gegen die Windmühlen anzuschreiben: Ronaldo hat eine ordentliche EM gespielt. Er schenkte dem Turnier genügend Momente, in denen seine Einzigartigkeit für jeden zu erkennen war. Wie er etwa in Basel den Ball mit der Hacke an Arne Friedrich vorbeilegte, sich drehte und auf und davon war; welcher andere Fußballer kann das schon? Es gelang Ronaldo nicht, Portugal zu ähnlicher Einmaligkeit zu führen - aber wie konnte man das erwarten? Es war schon vor der EM wahrscheinlicher, dass etwa Spaniens medial missachteter Spielmacher Xavi der Star des Turniers würde, als dass es Ronaldo würde - weil Xavi in einer Elf spielt, die etwas besser organisiert, mit weniger Wundstellen versehen ist als Portugal.

"Wenn du zweimal bei Freistößen versagst, kannst du nicht gewinnen", sagte Deco. Es wurde Portugals Generalmeinung: Nur zwei Momente, zwei Fehlerketten beim 0:2 und 1:3, an deren Ende Torwart Ricardo stand, hätten sie das Spiel gekostet. Es war richtig - und falsch. Korrekt, weil es die Augenblicke waren, die zählten. Falsch, weil Portugal grundsätzlich das Duell um die Richtung des Spiels an die Deutschen verlor.

Wie immer, wenn es ernst wird, wie etwa im WM-Viertel- und -Halbfinale 2006, ließ Trainer Luiz Felipe Scolari das himmelstürmende Portugal passiv agieren, um zu kontern. Sie warteten auf die Deutschen in ihrer Hälfte, nie war Portugal bei dieser EM besser geordnet. Aber die Passqualität der Deutschen raubte ihnen die Kontrolle. Nach einer halben Stunde wechselte Scolari Raul Meireles für João Moutinho ein - einen defensiven für einen offensiven Mittelfeldspieler bei 0:2! Doch es war richtig, denn sie mussten erst einmal den Zugriff auf das Spiel wiedergewinnen. Doch nachdem sie sich gegen mittelmäßige Vorrundengegner vergnügt hatten, fanden sie nun, da Zeit und Raum so beschränkt waren wie in einem Champions-League-Spitzenspiel, nicht den Weg.

Nach dem Spiel begann schnell die Zukunft. Cristiano Ronaldo ließ sich überreden, doch noch zu sprechen. So klar wie nie sagte er, dass er von Manchester United zu Real Madrid wechseln möchte. "Die Entscheidung habe ich schon länger getroffen. Es ist mein Traum. Ich wollte nur nicht darüber sprechen, weil wir mitten im Wettkampf steckten. Ich weiß allerdings nicht, ob es klappt, denn es entscheiden ja mehr Leute als nur ich." Der 23-jährige Junge, der so gerne spielt, war nun ein ernster Mann. Als er ging, wurde es ruhig im Stadiongang. Wo eben noch Lachen gewesen war, war nun Leere bei dieser EM.

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