Yahoo will MP3-Shop einstellen: Abschied vom Musikarchiv

Der Online-Riese Yahoo will seinen Musikladen einstellen. Amerikanische MP3-Käufer blieben dadurch auf wertlosen, kaum verwendbaren Musikarchiven sitzen.

Glück gehabt, wer auf Vinyl setzt. Bild: reuters

Das so genannte "digitale Rechtemangement", kurz DRM, soll dafür sorgen, dass Nutzer im Internet gekaufte Inhalte nicht einfach illegal kopieren können. In letzter Zeit erweist sich die von der Medienindustrie als Allheilmittel gegen das schwerwiegende Online-Piraterieproblem propagierte Technologie allerdings als schweres Kundenärgernis. Denn: Schaltet ein Anbieter seinen im Rahmen der Technologie benötigten Kopierschutz-Server im Internet aus irgendwelchen Gründen eines Tages ab, lassen sich einmal gekaufte DRM-Songs oder DRM-Videos nur noch sehr eingeschränkt verwenden oder werden unter Umständen gänzlich wertlos.

Jüngstes Beispiel ist der Internet-Riese Yahoo. Als der im Jahr 2005 seinen Online-Musikdienst "Yahoo Music Unlimited" in den USA startete, glaubte er noch, dass man damit Apples erfolgreichen Netz-Plattenladen iTunes schlagen könnte. Man hatte ja auch einiges mehr zu bieten als die Marke mit dem Apfel-Logo: Mit einem speziellen Song-Abo konnten Nutzer für einen Preis von 9 Dollar pro Monat beliebig viele Titel aus einem zwei Millionen Songs umfassenden Angebot auf ihren PC herunterladen und für ein paar Dollar extra außerdem auf einen portablen Musikspieler übertragen, der mit dem Angebot kompatibel war (Apples iPod gehörte nicht dazu). Wollte man einen Song "für immer" behalten, musste man ihn nur für einen Dollar extra bezahlen, Alben kosteten knapp zehn.

Yahoos so genannte "himmlische Jukebox" kam allerdings bei der Kundschaft doch nicht so gut an wie ursprünglich erhofft: Der Internet-Riese musste Ende letzter Woche einräumen, dass man sein Musikangebot drei Jahre nach dem Start einstellen müsse. Für die Nutzer bedeutet das nun, dass sie den Zugriff auf ihre Musikdatenbank verlieren oder zum ehemaligen Yahoo-Konkurrenten "Rhapsody" wechseln müssen, der allerdings teurer ist. (Yahoo bietet deshalb in der "Übergangsphase" eine Ermäßigung an.) Schlimmer trifft es allerdings die Käufer einzelner Songs und Alben, die teilweise Hunderte bis Tausende Dollar in Yahoos Musik investierten: Denen soll nun der besagte Kopierschutz-Server bald abgeschaltet werden.

Die Tücke vieler DRM-Verfahren liegt darin, dass der Nutzer seinen Rechner oder Medienspieler per Internet vor der Verwendung "autorisieren" muss. Will man seine Songs dann später beispielsweise auf einen neuen PC übertragen oder seinen alten Rechner mit einem frischen Betriebssystem ausstatten, muss der Autorisierungsvorgang erneut erfolgen. Der Mechanismus dahinter ist schnell erklärt: Die Medienindustrie will sicherstellen, dass der Käufer seine Inhalte nicht beliebig auf andere Computer und Musikspieler überträgt. Das geht aber nur, wenn dies zentral erfasst werden kann. Wird wie im Yahoo-Beispiel nun jener Kopierschutz-Server im Internet abgeschaltet, lässt sich der Autorisierungsvorgang nicht mehr anstoßen. Ergo: Nutzer können ihre legal erstandene Musik- oder Video-Sammlung nicht mehr auf anderen Rechnern verwenden, können sie nur noch auf dem alten System abspielen, auf dem sie erworben wurde.

Vor Yahoo hatte bereits Microsoft mit seinem US-Dienst "MSN Music" eine ähnliche Situation geschaffen: Nach Abschaltung des Musikverkaufs sollten auch die Kopierschutz-Server dran glauben. Nach Nutzerprotesten entschied sich der Softwarekonzern, sie immerhin weitere drei Jahre laufen zu lassen und gab Nutzern Tipps, wie sie Songs durch das Brennen auf CDs eventuell retten können.

Auch bei Yahoo reagierte man am Sonntag auf erste Negativschlagzeilen: Auch hier will man nun eine Lösung für die entnervte Kundschaft finden. Die können sich nun aussuchen, ob sie für die gekauften Titel eine Gutschrift erhalten (was für Yahoo teuer werden dürfte) oder ihre Songsammlung im MP3-Format herunterladen wollen. Damit sei dann sichergestellt, dass die bei "Yahoo Music Unlimited" erworbenen Songs "für immer und ewig" verwendet werden könnten, schrieb der Internet-Riese auf seiner Website. Der Grund: MP3 kommt ohne Kopierschutz aus und braucht folglich auch keinen Kopierschutz-Server, der eines Tages abgeschaltet werden könnte.

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