Ypsilanti fiel auf Stimmenimitator rein: Gespräch mit falschem "Münte"

Minutenlang telefonierte Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti mit einem Stimmenimitator des Radiosenders "ffn", der sich als Franz Müntefering ausgab. Ein Mitschnitt des Gesprächs kursiert jetzt im Internet. Illegal.

Ist das nun der echte oder der falsche Franz am Telefon ? Andrea Ypsilanti Bild: dpa

BERLIN dpa/taz Auf der Online-Plattform YouTube wurde das Gespräch veröffentlicht. Aber Journalisten dürfen daraus nicht zitieren. Denn Hessens-SPD-Chefin Andrea Ypsilanti ließ jede Veröffentlichung des Mitschnitts ihres Telefonats mit dem Sender ffn umgehend verbieten, als klar wurde, dass sie auf einen falschen Franz Müntefering hereingefallen war.

Jochen Krause, Stimmenimitator des Senders, der das satirische Format "crazy phone" betreibt, hatte sie am Mittwoch angerufen und sich als den designierten SPD-Parteichef ausgegeben. Er wurde umgehend durchgestellt, und Ypsilanti telefonierte sieben Minuten lang mit "Franz". Als der Imitator seine Identität als Mitarbeiter des "crazy phone" preisgab, verhängte die SPD sofort ein striktes Veröffentlichungsverbot. "Wir können der Veröffentlichung aus Prinzip nicht zustimmen, weil der Mitschnitt per se unzulässig ist", sagte der Geschäftsführer der SPD-Fraktikon im Wiesbadener Landtag, Gerd-Uwe Mende.

Obwohl das Gespräch nicht im Radio lief, fand es seinen Weg ins Internet, wo es ein unbekannter Anbieter bei YouTube einspeiste. Dabei ist der Dialog auf knapp zwei Minuten gekürzt zu hören. Kombiniert wurde er mit einem Video, das Ypsilanti bei ihrer Rede nach der Hessen-Wahl im Januar zeigt. Dieses Video gilt bereits als peinlich, im Hintergrund von Ypsilanti ist dort ihr Lebensgefährte zu sehen, der den Text ihrer Dankesrede lippensynchron mitspricht.

Die hessische SPD habe den niedersächsischen Sender radio ffn gebeten, alles zu unternehmen, um den Mitschnitt wieder aus dem Internet zu entfernen, sagte Mende. Radio ffn-Programmdirektorin Ina Tenz erklärte, der Sender habe einen Anwalt eingeschaltet, dieser wiederum habe YouTube, einen Anbieter von Internet-Videos, bereits aufgefordert, den Mitschnitt zu löschen. Wie er ins Internet gelangte, könne sie aber nicht sagen: "Jedenfalls nicht aus unserem Haus". Das Löschen des Gesprächs im Internet dürfte auch nicht gelingen: Erfahrungsgemäß tauchen gelöschte Videos an anderer Stelle wieder auf - und werden erst recht geklickt, wenn deren Publizierung als illegal gilt.

Stimmenimitator Krause sagte in einem Interview mit Bild.de, normalerweise hätten die von ihm angerufenen Bürger nichts dagegen, wenn das Gespräch anschließend im Radio laufe. Krause gibt sich beispielsweise auch als Behördenvertreter aus und verwickelt seine Gesprächsteilnehmer, oft keine Prominenten, in immer absurdere Dialoge. Zum Ende gibt er sich als Radiosatiriker zu erkennen. Wer nicht möchte, dass sein Gespräch im Radio läuft, kann dies dann stoppen. Die Vorgehensweise ist allerdings heikel. Denn schon das Mitschneiden eines Telefonates, ohne dass der Angerufene davon weiß, ist rechtlich nicht zulässig und gilt als Verletzung des Persönlichkeitsrechts.BD

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben