Island will EU-Mitglied werden: Krone billig abzugeben

Island wünscht sich den Euro. Denn die eigene Währung wird immer schwächer.

Die Fischereibranche war bislang aus Angst vor Fremdbestimmung gegen einen EU-Beitritt. Bild: dpa

STOCKHOLM taz "Ich war immer gegen eine EU-Mitgliedschaft, aber jetzt sollten wir auch diese Option prüfen." Erstaunliche Worte aus dem Mund von Islands Fischereiminister Einar Gudfinnsson. Denn bislang war gerade die Fischereibranche gegen einen EU-Beitritt, weil sie das Ende des Selbstbestimmungsrechts über die reichen Fischgründe rund um die Nordatlantikinsel fürchtete. Große Teile der Industrie und der Gewerkschaften befürworten hingegen schon lange einen EU-Beitritt, der von einer klaren Mehrheit der 320.000 EinwohnerInnen begrüßt wird. Denn die Finanzkrise setzt jetzt die Insel unter Druck, sich unter ein schützendes Dach zu retten.

Die Isländer lockt vor allem der Euro. Was es bedeutet, die kleinste selbständige Währung der Welt zu haben, konnten die IsländerInnen in den letzten Jahren am eigenen Geldbeutel erfahren. In der Zeit des Wirtschafts- und Finanzbooms war die Krone massiv überbewertet. Es war ein gutes Geschäft, Kredite in Euro oder Schweizer Franken aufzunehmen. Im Frühjahr kam der Umschwung. Jetzt liegt die Krone am Boden, besitzt nur noch drei Viertel ihres früheren Werts. Viele Haushalte können ihre Schulden in ausländischer Valuta nicht mehr bedienen.

Doch bislang ist die EU mit der gegen den finanziellen Kollaps kämpfenden Insel nicht gerade zimperlich umgesprungen. Erst war Reykjavík bei der europäischen Zentralbank mit der Bitte um einen Kredit abgeblitzt. In der vergangenen Woche hatte Großbritannien Guthaben von isländischen Banken beschlagnahmt, um die Einlagen einheimischer KundInnen zu sichern.

Doch seit Anfang der Woche hat sich Lage entspannt. Island hat mittlerweile bekräftigt, alle ausländischen Einlagen der drei verstaatlichten Großbanken absichern zu wollen. Und um diese Garantie überhaupt einlösen zu können, gewährt die Bank of England dem Land einen Kredit von 100 Millionen Pfund. Skandinavische Notenbanken greifen Reykjavík mit ausländischer Valuta unter die Arme greifen, damit die Regale in den Supermärkten nicht leer werden.

Bis zum Wochenende will Island über ein mögliches Hilfeersuchen an den Internationalen Währungsfonds entscheiden. Es besteht Uneinigkeit in der konservativ-sozialdemokratischen Koalitionsregierung, ob man die damit verbundenen IWF-Auflagen wirklich in Kauf nehmen will. Misstrauen gegen die Deregulierungsrezepte des IWF scheint angebracht: 2007 hatte dieser in seinem Island-Rapport keinerlei Probleme gesehen, sondern empfahl dem Staat, er solle auch das letzte Hypothekeninstitut privatisieren.

Doch EU und IWF sind nicht die einzigen Adressen, an die sich Island wendet. Seit Dienstag verhandelt eine Delegation von der Insel in Moskau über einen möglichen russischen Kredit. Und im eigenen Land versuchte die Nationalbank, den Kollaps mit geringeren Leitzinsen zu verhindern. Sie wurden von 15,5 auf 12 Prozent gesenkt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de