Preis für Mundpropaganda-Filme

Wie ein Virus durchs Netz

Chillende Krokodile gegen Spreeblick, Zahnärzte, die aus dem Mund der Patienten naschen: Virale Videos werden bei Firmen und Lobbyisten immer beliebter. Ein Preis krönt nun den Besten.

Bild: screenshot viralvideoaward.com

Ein Zahnarzt findet bei einer Behandlung Schokoladenreste im Mund seines Patienten. Während dieser sich peinlich berührt entschuldigt, ist der Doktor äußerst interessiert an seinem Fund. Erst kostet er von dem Schokokrümel, dann fahndet er nach weiteren Überresten, um sie genüsslich zu verspeisen. Das Geschehen erreicht seinen Höhepunkt, als der Arzt die eben verwendete Zahnseide ablutscht. Was der Zuschauer höchst ekelerregend finden wird, stellt sich schließlich als Werbespot für eine bekannte Schokoladenfirma heraus.

Dieser und 23 weitere Spots sind dieses Jahr für den "Forward", einen Preis für virale Videos nominiert. Der Wettbewerb ist vom Kurzfilmfestival interfilm Berlin und der Agentur Zucker.Kommunikation initiiert und der erste seiner Art. Nicht alle Spots sind kommerziell, ebenso gibt es Spots mit politischen oder ideellen Botschaften. So zum Beispiel ein puppenspielähnliches Video, dass aufforderte beim Bürgerentscheid im Sommer dieses Jahres gegen die Bebauungspläne des Berliner Osthafens in Kreuzberg-Friedrichshain zu stimmen.

Eine Botschaft zu vermitteln war neben der erfolgreichen Verbreitung der Spots ebenfalls Kriterium zur Nominierung. Die Besonderheit beim viralen Marketing ist, dass die Videos durch ihre Originalität von selbst bekannt werden: "Virals müssen so gut sein, dass sie die magische Schwelle des Weiterleitens überschreiten. Mund-zu-Mund-Propaganda ist (fast) alles, was zählt", heißt es auf der Webseite www.viralvideoaward.com.

Dort stehen die nominierten Spots noch bis zum 6. November zur Abstimmung. So kompakt zusammengefasst hat mal all die vielen Videos, die man im letzten Jahr immer mal wieder zugeschickt bekommen hat, selten gesehen - man kann sie mit einer positiven Bewertung belohnen und findet gleichzeitig noch ein paar neue Kurzfilmchen. Unabhängig vom Publikumspreis, den die User durch ihre Klicks bestimmen, wird eine dreiköpfige Fachjury die Videos bewerten. Dabei berücksichtigt sie besonders wie künstlerisch und kreativ die Produktionen sind. Die Verleihung der beiden Preise findet am 7. November im roten Salon der Volksbühne in Berlin statt.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de