Krise bei der WAZ

Tag der Abrechnung

Bei der Betriebsversammlung stellte die Geschäftsführung der WAZ-Gruppe ihren Sparkurs der Belegschaft vor - und den neuen "WR"-Chef Malte Hinz.

Die Gewerkschaft will sich das Kürzungsprogramm nicht kampflos gefallen lassen. Bild: dpa

ESSEN taz Bei der letzten Betriebsversammlung im November kritisierte er als Betriebsratsvorsitzender der Westfälischen Rundschau noch das Kommunikationsverhalten der WAZ-Geschäftsführung, am Freitag kam Malte Hinz als neuer Chefredakteur des Dortmunder Blattes in die Essener Lichtburg. Donnerstagabend war bekannt geworden, dass seine Vorgängerin Kathrin Lenzer ihren Posten nach kurzer Amtszeit schon wieder räumt. Angeblich hat sie das Handtuch geworfen: Lenzer war intern umstritten, hatte Durchsetzungsprobleme und feuerte zuletzt noch einen altgedienten Redakteur, der sie übel beleidigt hatte.

In der Belegschaft wird Hinz Aufstieg verschieden aufgenommen. Bei einer Abschiedsfeier zweier WR-Mitarbeiter am Donnerstagabend, bei der auch Hinz vorbeischaute, soll eine ähnliche Jubelstimmung geherrscht haben wie unlängst bei der Wahlparty der US-Demokraten. Im Internet wurde zeitgleich über Hinz Seitenwechsel geschimpft. Manche fühlen sich von ihrem Vertreter im Stich gelassen, andere wittern hinter der Beförderung gar eine klugen Schachzug der Geschäftsführung. Immerhin hat Hinz noch einen gewichtigen Posten inne: Er ist Boss der Journalistengewerkschaft dju.

Hinz selbst sieht kein Problem darin, dass er als Gewerkschaftsboss und nunmehr Exbetriebsrat in die Riege vorrückt, die jene von ihm kritisierten Sparpläne ausgearbeitet hat. Der taz sagte er gestern, aus dem Betriebsratsvorsitzenden sei nun "nicht plötzlich ein anderer Mensch mit anderer Denke" geworden: "Ich mache weiter das, was ich bisher gemacht habe, nur eben aus einer anderen Rolle heraus."

Bei der Betriebsversammlung am Freitag hielt sich Hinz zurück. Ein Wortbeitrag seinerseits stand nicht auf dem Programm, dafür gab es eine Menge schlechter Nachrichten. Endlich haben die Chefs der WAZ-Mediengruppe ihren Mitarbeitern erklärt, wie genau sie die angekündigten 30 Millionen Euro einsparen wollen, um ihre kränkelnden NRW-Zeitungen wieder auf Kurs zu bringen. Und vor allem: welche Stellen dem Sparkurs anheimfallen werden. Fremde Presse war bei der Versammlung unerwünscht. Die taz bekam schon im Windfang des Kinos Hausverbot. In harschem Ton.

Der Grund: WAZ-Boss Bodo Hombach ist sauer, dass schon vorab Details durchgesickert waren, die er erst gestern verkünden wollte. Deshalb stellte er sich erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe den Fragen der Pressevertreter. Wie bis dahin zu vernehmen war, bestätigte er der Belegschaft zuvor lediglich, dass rund 260 Stellen in den NRW-Blättern eingespart werden. Wo und welche, soll er nicht gesagt haben. Eine Redakteurin berichtete, Hombach habe in seiner langen Ansprache nur versichert, der Stellenabbau solle "sozial verträglich" geschehen.

Ungewiss ist zudem immer noch, welche Lokalredaktionen geschlossen oder zusammengelegt werden. Dass dies passiert, ist unbestritten. Offenbar soll in manchen Orten, wo die WAZ-Gruppe ein Monopol besitzt, aber zwei Titel betreibt, einer davon geschlossen werden. In Städten hingegen, wo ein weiterer Wettbewerber vor Ort ist, ist angeblich an eine Verschmelzung der Redaktionen gedacht - ähnlich also wie bei den Mantelredaktionen, die künftig von einem zentralen Newsdesk bestückt werden sollen.

Die Stimmung der WAZ-Mitarbeiter, die zwei Stunden nach Beginn der Versammlung zum Rauchen vor die Tür kamen, war gemischt: Die einen schimpften, sie würden abermals hingehalten; andere nannten die Stimmung im Saal zwar "kühl", aber durchaus konstruktiv.

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